Freitag, 4. Juli 2003

Chrom & Weißwandreifen: VW Mexiko baut "letzte Edition" vom Käfer

  • Aus für buckliges Kultgefährt nach 70 Jahren und 21,5 Mio. Stück
  • Plus: Der 'neue Käfer' - die Bilder des VW 'Beetle'-Cabrio

Volkswagen hat dem Käfer am Donnerstag nach fast 70 Jahren feierlich Lebewohl gesagt. Bei einem Festakt auf dem mexikanischen Werksgelände in Puebla (125 Kilometer südöstlich von Mexiko Stadt) stellte VW Mexiko eine Nostalgie-Edition vor. Von ihr sollen noch bis zum 30. Juli täglich 53 Stück vom Band laufen.

Die Nostalgie-Edition, wird in einer Stückzahl von insgesamt 3.000 Exemplaren gebaut. Wie die Käfer vergangener Zeiten verfügt sie über verchromte Stoßstangen, Zierleisten und Spiegel sowie über Weißwandreifen. Die Motorhaube ziert das alte Wolfsburg-Symbol. Das Modell wird nur in Mexiko zum Preis von 84.000 Peso (rund 7.000 Euro) verkauft. Das letzte Exemplar soll ins VW-Museum nach Wolfsburg.

Der Nordamerika-Chef, Jens Neumann, Mitglied des VW-Vorstandes in Wolfsburg, erinnerte daran, dass vom VW-Käfer bis heute mehr als 21,5 Millionen Stück in 20 Ländern gebaut worden seien. "Der Käfer ist ein Symbol nicht nur für das deutsche Wirtschaftswunder, sondern für die Mobilität in der Welt", sagte Neumann. Heute wendeten sich die Kunden und Freunde von Volkswagen aber zeitgemäßeren Produkten zu.

Mexikos Taxifahrer lieben den Käfer, und Mexiko-Stadt ist das größte Auto-Museum der Welt. Hier kurven noch rund 80.000 grün-weiße Käfertaxis durch die Straßen - gerade mal so viele Käfer sind in ganz Deutschland zugelassen. Das "Volkswägelchen" (vocho) gehört zum Straßenbild wie Taco-Stände oder Marien-Altäre. Doch nun geht der Bucklige in Rente.

Der Ur-Käfer entstand Anfang der 30-er Jahre im Kopf des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche. Am 22. Juni 1934 - inzwischen war in Deutschland Adolf Hitler an der Macht - bekam Porsche vom "Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie" seinen mit 20.000 Reichsmark dotierten Auftrag. Porsche präsentierte am 3. Juli 1935 die erste Variante der Limousine und ein knappes halbes Jahr später die Cabrio-Version.

Wegen Krieg auf lange Bank geschoben
Auch wenn der Wagen den Anforderungen nach Größe, Motorleistung und Verbrauch entsprach - auf den Markt kam der damalige "Kraft- Durch-Freude-Wagen" vor dem Krieg nicht. Zwar legte Adolf Hitler am 26. Mai 1938 selbst den Grundstein für das Volkswagenwerk - und damit auch für die Stadt Wolfsburg. Aber in der damals hochmodernen Fabrik wurden fortan keine "Volkswagen", sondern Kübelwagen für die Armee gebaut. Bis zum Ende des Krieges wurden nur 630 Limousinen fertig.

Kickstart ab 1945
In Schwung kam der Käfer erst 1945, als die damalige britische Militärregierung 20.000 Fahrzeuge bestellte. Und fortan lief der Wagen mit dem eigenwilligen Design in Deutschland und vom 8. August 1947 auch im Ausland. In den USA entwickelte er sich zum Liebling. In Spitzenzeiten fuhren vier Millionen US-Bürger den "Beetle".

Den Anfang vom Ende des Käfers läutete VW schon am 19. Januar 1978 ein, als der letzte deutsche Käfer im Emder Werk vom Band direkt ins Wolfsburger VW-Museum rollte.

Nach und nach stellte VW weltweit alle Käfer-Bänder ein - bis zum Schluss nur noch im Werk im mexikanischen Puebla. Gerade einmal 50 Stück wurden dort in den vergangenen Monaten noch montiert - zu wenig um selbst an einem Billig-Standort eine Gewinn bringende Produktion zu organisieren.
(apa, red)

4.7.2003 10:06