Salzburg: Urteile im Sparkassen-Prozess sind gefallen
- Drei Schuldsprüche, zwei Freisprüche bei WEB-III-Prozess im Mega-Bauskandal
- Größter Bauskandal der 2. Republik
Mit drei Schuld- und zwei Freisprüchen endete heute, Montag, am Salzburger Landesgericht der WEB-III-Prozess gegen fünf Manager der Salzburger Sparkasse. Der ehemalige Vorstandsdirektor-Stellvertreter Gerhard Schmid (62) wurde wegen des Verbrechens der Untreue zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Der Vorstandsdirektor-Stellvertreter Klaus Buttenhauser (60) und der Kreditbetreuungsreferent Josef K. (50) wurden wegen des Verbrechens der Untreue und des Vergehens der Falschaussage vor Gericht zu fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt.
Die beiden anderen Angeklagten, der Leiter der Sparkassenfiliale Neustadt, Gerhard R. (64), und der damals dort tätige Sachbearbeiter Rudolf S. (56), wurden freigesprochen.
Beitrag zur Untreue und zum Betrug
Die Anklage warf den zwei Ex-Vorstandsmitgliedern, dem Kreditbetreuungsreferenten sowie zwei weiteren ehemaligen Managern der Salzburger Sparkasse Beitrag zur Untreue beziehungsweise zum Betrug vor, wodurch für rund 25.000 Anleger (hauptsächlich Hausanteilscheinzeichnern, Anm.) ein Schaden von mehr als einer Milliarde Schilling (72,7 Millionen Euro, Anm.) entstanden war.
Größter Bauskandal der 2. Republik
Der nun in erster Instanz zu Ende gegangene WEB-III-Prozess, vielfach auch "Sparkassenprozess" genannt, ist bereits das dritte Strafverfahren im Zusammenhang mit Österreichs größtem Bauskandal, der im Jahr 1989 in Salzburg aufgeflogen war. Die Folge des Skandals waren damals zahlreiche Insolvenzen, tausende Geschädigte und ein Schaden von rund 167 Millionen Euro.
Loch auf - Loch zu
Die Manager des WEB-Bautreuhand-IMMAG-Konglomerats hatten mit einem Loch-auf-Loch-zu-System Gelder hin und her geschoben. Gelder wurden entgegen anders lautender Versprechungen zweckentfremdet verwendet.
Das alles schlug sich nach dem Zusammenbruch des Firmenkonglomerats wie folgt nieder: 25.000 Anleger beklagten einen Schaden von insgesamt 167 Millionen Euro.
Allein dem ehemaligen WEB-Chef Bernd Schiedek wurde eine Schadenssumme von 145 Millionen Euro zugerechnet. Er erhielt dafür ebenso neun Jahre Haft - wie der Spitzenmanager Jürgen Gold. Insgesamt waren am 14. Juni 1999 sechs Manager des Imperiums verurteilt worden, die Strafen bewegten sich zwischen sechs und neun Jahren Haft.
Im zweiten Verfahren, dem so genannten IMMAG-Prozess, gab es am 19. August 2002 zwei Verurteilungen (drei Jahre und sechs Monate beziehungsweise fünf Jahre) und drei Freisprüche. Diese Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
(apa, red)
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