Mittwoch, 2. Juli 2003

Heutige Aufsichtsrats-Sitzung soll über ÖBB-Reform informieren

  • Eisenbahner-Gewerkschaft fürchtet Tariferhöhungen bzw. Lohnsenkungen
  • Gewerkschaft bemängelt dürftige Informations-Politik der ÖBB

Die ÖBB soll reformiert werden. Eine dieser Reformen, so befürchtet die Eisenbahnergewerkschaft, könnte die nächste saftige Tariferhöhung sein. Nachdem der Bund für die Jahre 2003 und 2004 die Zuschüsse an die ÖBB gesenkt hat, glaubt die Gewerkschaft, dass sich dies auf die Preise auswirken wird. Aber auch Auswirkungen auf die Löhne hält ÖBB-Gewerkschafts-Vizechef Winkler für möglich. Insgesamt bemängeln die Gewerkschafte die dürftige Information zur ÖBB-Reform. Winkler wünscht sich daher bei der heutigen Aufsichtsrats-Sitzung "klare Worte".

So seien im Jahr 2002 noch 305,7 Mio. Euro an Zuwendungen für Schüler- und Lehrlingsfreifahrten veranschlagt gewesen, 2003/2004 sollen es jeweils nur mehr 300 Mio. Euro sein. Bei den Privatbahnen ist laut dem Eisenbahnergewerkschafts-Vizechef Gottfried Winkler eine Reduktion von 42,1 auf 38,4 Mio. Euro geplant.

Dürftige Auskünfte zur ÖBB-Reform
"Die Verdachtsmomente sind sehr hoch, dass sich dadurch die Tarife erhöhen", erklärte Winkler. Schließlich würden sich dadurch ja die Einnahmen der ÖBB verrringern. Er wollte aber auch nicht ausschließen, dass statt an der Tarifseite gedreht auf Seiten der Mitarbeiter gespart werde. Bisher sei die Informationspolitik des Verkehrs-Staatssekretärs Helmut Kukacka mehr als dürftig und auch von Seiten der ÖBB wünsche man sich mehr Infos zur geplanten ÖBB-Reform. Spätestens die heutige Aufsichtsratssitzung sollte zu "klaren Worten" führen, so Winkler.

ÖBB-Kommunikationschef Michael Hlava spricht gegenüber der APA von einer "Mutmaßung der Gewerkschaft", schließlich sei die "Rechnung nicht so einfach." "Die ÖBB-Tarife richten sich nach dem Marketing und wettbewerbsfähig sind wir nur mit einem guten Preis", so Hlava. So gäbe es heuer im Sommer beispielsweise speziell für Familien "so günstige Preise wie noch nie".

Kukacka will keinen Konflikt mit Gewerkschaft
Verkehrs-Staatssekretär Helmut Kukacka (V) beteuerte heute Dienstag, er wolle "selbstverständlich keinen Konflikt mit der ÖBB-Gewerkschaft". Es wäre aber betriebswirtschaftlich falsch, "wenn einer neuen, effizienten und mit modernen Unternehmensstrukturen aufgestellten Bahn ein altes und nicht mehr zeitgemäßes Gewerkschaftsrecht aufgepfropft" würde.

Die "heute vielfach überzogenen" Mitwirkungsrechte der Gewerkschaft beim früheren Monopolisten ÖBB würden die ordentliche, kaufmännische Führung des Unternehmens "enorm behindern", weil der Vorstand in allen Fragen des Personaleinsatzes und bei allen Stellenplanangelegenheiten auf die Zustimmung der Gewerkschaft angewiesen sei. Das sei für den Vorstand eines Großunternehmens, dass nunmehr wettbewerbsorientiert im liberalisierten Schienenverkehrsmarkt arbeiten müsse, unzumutbar. (apa/ red)

2.7.2003 16:08