Samstag, 5. Juli 2003

Moskau: Granate in Mülltonne explodiert - 2 Tote

  • Putin ruft zur "Vernichtung" der Terroristen auf
  • Anschlag auf Rockfestival: 15 Menschen tot, 5 in Lebensgefahr

Nach dem Bombenanschlag auf ein Rockfestival in Moskau mit 15 Toten hat Präsident Wladimir Putin am Montag zur "Vernichtung tschetschenischer Terroristen" aufgerufen. "Man muss sie in ihren Kellern und Höhlen ausfindig machen, wo sie sich bis heute verstecken, und sie vernichten", sagte Putin am Montag auf einer Krisensitzung im Kreml. Bei einer Granatenexplosion kamen in der russischen Hauptstadt unterdessen zwei Menschen ums Leben, vier wurden verletzt. Der Sprengsatz war in einer Mülltonne versteckt, die Hintergründe sind noch unklar.

Bei den Selbstmord-Attentaten zweier mutmaßlich tschetschenischer Extremistinnen auf Besucher eines Freiluftkonzertes waren am Samstag 15 Menschen getötet worden, fünf schweben noch in Lebensgefahr.

Man werde "keine Kompromisse mit den Terroristen" in Tschetschenien eingehen, betonte Putin nach Angaben der Agentur Interfax. Nach unbestätigten russischen Medienberichten soll der berüchtigte Rebellenführer Schamil Bassajew hinter dem Anschlag vom Samstag stehen. Bassajew hatte sich in der Vergangenheit bereits zu Terrorakten im Nordkaukasus bekannt. "Die Banditen in Tschetschenien sind nicht nur mit den internationalen Terrororganisationen verbunden, sie sind deren fester Bestandteil", sagte Putin. Bei früheren Terroranschlägen hatte sich der Präsident ähnlich radikal geäußert. In einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush bekräftigte Putin seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Kampf gegen internationalen Terrorismus.

Die Lösung des mit Unterbrechungen seit fast einem Jahrzehnt andauernden Tschetscheniens-Konflikts gilt als Streitthema vor den russischen Präsidentenwahlen im kommenden März. Putin hatte vor seiner Wahl im Jahr 2000 versprochen, das Problem Tschetschenien zu lösen. Einer Übermacht von etwa 80.000 russischen Soldaten in dem Gebiet von der Größe Niederösterreichs ist es bis heute nicht gelungen, die versprengten Rebellengruppen unter Kontrolle zu bringen.

(APA/red)

5.7.2003 13:26