Mädchenhändlerring in Niederösterreich ausgehoben
- Kriminalabteilung vermutet bis zu 300 Opfer!
- Frauen "müssen" in Österreich laut ihren Visa als Prostituierte weiterarbeiten
Ein unglaublicher Mädchenhandel wurde am Wochenende von der Exekutive in Niederösterreich gestoppt. Wie die Kriminalabteilung NÖ (KA) am Montag in einer Bilanz der Aktion bekannt gab, dürften dem ausgehobenen Ring bis zu 300 junge Frauen aus der Dominikanischen Republik zum Opfer gefallen sein. Dennoch: Für die Frauen ändert sich wenig, sie dürfen in Österreich auch weiter laut Visum nur als Prostituierte arbeiten. Und auch in Wien konnte ein Geheimbordell mit minderjährigen Prostituierten geschlossen werden (siehe Kasten rechts).
Die im Durchschnitt 19- bis 30-jährigen Opfer mussten in ihrer Heimat große Schulden machen, um sich Reise und Aufenthalt finanzieren zu können. Hauptverdächtiger ist ein 60-jähriger St. Pöltner, seit 17 Jahren Bezieher einer Arbeitslosenunterstützung. Er soll gemeinsam mit seiner 33-jährigen Lebensgefährtin den Mädchenhändlerring geleitet haben. Das Paar hatte zusammen mit fünf Komplizinnen Frauen aus der Dominikanischen Republik gegen Entgelt nach Österreich geholt. Diese mussten zum Teil gegen ihren Willen in Bordellen in NÖ, aber auch in anderen Bundesländern, der Schweiz, Italien sowie Deutschland der "gewerbsmäßigen Unzucht" nachgehen.
Die umfangreichen Ermittlungen liefen laut Behörden-Aussagen bereits seit einem dreiviertel Jahr. Bei den Komplizinnen des Pärchens handelt es sich um fünf, seit längerer Zeit in Österreich aufhältige, Dominikanerinnen. Sie waren in den vier Bordellen des mutmaßlichen Bandenchefs in den Bezirken Lilienfeld, Gmünd, St. Pölten und Horn tätig. Über Antrag der Staatsanwaltschaft wurden sämtliche Verdächtige verhaftet. Die Komplizinnen legten ein Geständnis ab, der 60-Jährige und seine Lebensgefährtin schwiegen vorerst zu den Vorwürfen.
Für Opfer ändert sich nichts
Für die betroffenen Frauen ändert sich durch die Verhaftung der Verdächtigen allerdings nicht viel. Ihnen waren für die Reise nach Österreich sowie die Aufenthaltsgenehmigung von den Mädchenhändlern bis zu 7.500 Euro abgenommen worden. Nicht selten musste dafür das Haus verpfändet bzw. bei einem Geldverleiher Kredit aufgenommen werden. "Die Verwandten in der Heimat warten ja auf das Geld. Den Frauen bleibt gar nichts anderes übrig, als weiter in Österreich als Prostituierte zu arbeiten", so ein KA-Sprecher. Andere Tätigkeiten dürften sie laut Visum nicht ausführen. (APA/red)
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