Freitag, 4. Juli 2003

Machtkampf Krone - WAZ: "Zeichen stehen auf Krieg"

  • Dichand senior: "Stehen wahrscheinlich vor Gerichtsverhandlungen". Vertrag von Dichand junior noch immer nicht unterschrieben

Der Konflikt Krone - WAZ schwelt weiter: "Die Zeichen stehen auf Krieg..." das sagt Hans Dichand! Für Freitag waren am Rande einer Mediaprint-Gesellschaftersitzung Entscheidungen über die weitere Entwicklung im Zwist zwischen den Hälfte-Eigentümern Hans Dichand und WAZ erwartet worden. Dichand Senior erwartet keinen Friedensschluss mehr: "Wir stehen wahrscheinlich vor Gerichtsverhandlungen."

"Da wird gar nix besonderes passieren", sagte "Krone"-Chef Hans Dichand am Morgen im Gespräch mit der APA. "Die Zeichen stehen eher auf Krieg."

Streit um die Führung der Kronenzeitung
Seit fast zwei Jahren gibt es zwischen Dichand und der deutschen WAZ Uneinigkeit über die Führung von Österreichs größter Tageszeitung.

Im Jänner kam es zu heftigen Turbulenzen, nachdem Dichand seinen Sohn Christoph Dichand gegen den Willen der deutschen Partner zum Chefredakteur bestellt hatte.

Die Auseinandersetzung mit der WAZ gipfelte im öffentlichen Schlagabtausch zwischen Dichand senior und dem WAZ-Manager Erich Schumann. Der damalige Kompromiss: Neben Dichand junior durfte die WAZ mit Michael Kuhn einen zweiten Chefredakteur aus dem Kreis der leitenden "Krone"-Redakteure bestellen. Und: Dichand senior musste die Personalhoheit an die neue Doppelführung abgeben.

Dichand junior: Vertrag noch immer nicht unterschrieben!
Die Verträge mit den neuen Chefredakteuren seien bisher aber nicht unterschrieben, hieß es . Hintergrund: Die Gehaltsforderungen Christoph Dichands, die der WAZ zu hoch seien. Darüber hinaus sähe es die WAZ-Gruppe am liebsten, wenn Hans Dichand, der als Herausgeber und Hauptgeschäftsführer fungiert, den Abschied vom Tagesgeschäft nähme.

Kolportiert wurde zuletzt, dass mit einem Vertrag zu rechnen sei, der den Einfluss Dichand seniors und jenen des operativen Geschäftsführers Wolfgang Altermann neu regelt beziehungsweise einschränkt. Im Gegenzug könnte auch der Dienstvertrag von Christoph Dichand abgesegnet werden.

Dem Gesellschafterausschuss gehören Wolfgang Altermann und Christoph Dichand für die "Kronen Zeitung", Christian Konrad und Erwin Hameseder (Raiffeisen/Kurier-Gruppe) sowie die WAZ-Männer Erich Schumann und Lutz Glandt an. Dichand senior schied 2001 aus dem Gremium aus. Sein Sohn Christoph rückte nach.

An der Mediaprint sind der Krone Verlag mit 70 Prozent und der Kurier Zeitungsverlag mit 30 Prozent beteiligt. Die Mediaprint betreut Druck, Vertrieb und Anzeigengeschäft von "Kronen Zeitung", "Kurier" und weiteren zum Konzern gehörenden Medien. An der "Kronen Zeitung" halten Hans Dichand und die WAZ je 50 Prozent der Anteile. Am "Kurier" ist die WAZ mit 49,4 Prozent beteiligt, die Mehrheit hält Raiffeisen.(apa)

4.7.2003 12:32