Freitag, 27. Juni 2003

Im Trend: Urlaub auf der 20-Meter-Jacht!

  • Schnell und exklusiv: Promis und ihre Meereskreuzer!
  • PLUS: Die Megajachten der Promis können Sie mieten!

Gehören Sie auch zu denjenigen, die es im Urlaub immer wieder zum Jachthafen zieht, um dort einen Blick auf die Megaschiffe der Reichen und Schönen zu erhaschen? Trösten Sie sich: Erstens gehört nur eine Handvoll Österreicher zum elitären Club der Gigajachtbesitzer und zweitens kann man die meisten Luxus-Meereskreuzer auch mieten!

Luxuriöse Meereskreuzer können sich höchstens eine Handvoll Österreicher leisten. So zum Beispiel Milliardär Gerhard Andlinger. Zwei, drei Telefonate am Tag - mehr nimmt der gebürtige Oberösterreicher Gerhard Andlinger nicht entgegen, wenn er mit seiner Frau Jeanne und den beiden Kindern die Inselwelt Französisch Polynesiens besegelt. Die restlichen Anrufer hält die Sekretärin des 72-jährigen Milliardärs im New Yorker Büro unerbittlich von ihm fern.

An Bord der Perseus macht dem gebürtigen Oberösterreicher, der sich nach einer beeindruckenden Karriere beim ITT-Konzern als Sanierer maroder Unternehmen zu einem der reichsten 400 Amerikaner hochgeschuftet hat, eine mehrköpfige Crew das Leben so bequem wie möglich. Ein Skipper, eine Nanny, ein Privatlehrer und eine Köchin gehören zur Stammbesatzung von Andlingers schwimmendem Palast. Was nicht heißt, dass man einander ständig über den Weg läuft, denn bei einer Schiffslänge von 50 Metern findet sich für jedes Crewmitglied ein Refugium.

Die blaue Flotte der Milliardärin Heidi Horten
Neben Gerhard Andlinger können sich höchstens eine Hand voll Österreicher ähnlich luxuriöse Meereskreuzer leisten. Eine von ihnen ist Heidi Horten. Die Kaufhauserbin gilt mit einem geschätzten Vermögen von 2,3 Milliarden Euro nicht nur als reichste Österreicherin, sondern auch als ausgesprochene Liebhaberin von Megajachten. Neben der Carinthia VI nennt sie mit der 100 Millionen Euro teuren und 100 Meter langen Carinthia VII seit kurzem die achtgrößte aller jemals vom Stapel gelassenen Motorjachten ihr Eigen.

Unglaubliche 10 Millionen Euro kostet der jährliche Unterhalt allein für das neuere der beiden Prachtstücke, die in auffallendem majestätischen Dunkelblau lackiert sind - außer den Liegegebühren und den saftigen Spritkosten reisst nicht zuletzt die Heuer der Crew ein (in diesem Fall wohl verschmerzbares) Loch ins Budget: Tüchtige Skipper werden mittlerweile entlohnt wie fähige Wirtschaftskapitäne. Denn das exklusive Hobby der 60-jährigen Kärntnerin liegt voll im Trend der internationalen High-Society. Nicht nur Konzernbosse wie SAP-Chef Hasso Plattner, Microsoft-Co-Gründer Paul Allen, Netscape-Mitbegründer Jim Clark oder Harrod's-Eigner Mohammed al-Fayed zieht es in die unendlichen Weiten der hohen See.

Formel-1-Jetset trifft sich im Hafen von Monte Carlo

Der halbe Formel-1-Jetset trifft sich seit je nicht nur in den Boxen und auf den Renntribünen, sondern auch in den Buchten von Monaco oder St. Tropez. Renault-Rennleiter Flavio Briatore besitzt mit den Schiffen "Lady in Blue" und "Altair" gleich zwei der ansehnlichsten Jachten.
Die Brüder Ralf und Michael Schumacher nennen genauso je einen Nobelkahn ihr Eigen wie David Coulthard. Auch Gerhard Berger erholte sich zu aktiven Formel-1-Zeiten an Bord seiner (mittlerweile verkauften) Luxusjacht von den Rennstrapazen.

Betuchte Erben und Ölscheichs
Zur Stammkundschaft der Werften und Schiffskonstrukteure gehören aber traditionell eher betuchte Erben wie J. Paul Getty Jr., Medienzaren, Konzernbosse und Ölscheichs. Und auch sie können gar nicht genug Jacht bekommen: Der Wirtschaftsflaute zum Trotz boomt das Segment der Schiffe ab 100 Meter Länge, freuen sich Werfteigner. Für diese Kategorie wurde zu Recht die Bezeichnung Gigajacht geprägt.

Gigajachten mit Helikoptern, Flugzeugen und U-Booten als Spielzeug. "Größer, breiter, schneller, teurer", fasst Diego Torres den aktuellen Jachttrend zusammen: "Es ist, als lägen die Milliardäre und Multimillionäre in einem ständigen Wettkampf miteinander." Sieben exklusive Schiffe werden in den Produktionsstätten seiner Firma Francis Design gegenwärtig ausgestattet. Alles Aufträge zwischen 50 und 150 Meter Länge. Und allesamt für Privatkunden, wie Torres betont. Namen verrät er keine. Diskretion ist das oberste Gebot in einem Kundensegment, das sich nur vor der Steuerfahndung mehr fürchtet als vor lästigen Paparazzi mit ihren schnellen, wendigen Motorbooten.

For sale: Jacht von Oracle-Boss!
Einzig Oracle-Boss Larry Ellison darf der Jachtdesigner als Kunden nennen. Dieser hat nämlich großes Interesse, als Besitzer der 74 Meter langen Katana bekannt zu sein. "Larry wants to sell it", erzählt Torres.

Derzeit ankert das Prachtstück des IT-Milliardärs mit einem Basketballplatz auf dem Sonnendeck und Zen-Design in den Kajüten vor der südfranzösischen Küste, wo es Interessenten jederzeit besichtigen können. 85 Millionen US-Dollar verlangt Ellison für die Jacht, die ihm mittlerweile schlicht zu kurz sein soll. Und wie es aussieht, nicht nur ihm: Seit eineinhalb Jahren sucht der Exzentriker bereits einen Käufer. Doch wer sich eine Jacht in dieser Preisklasse leisten kann, der will in der Marina den Längsten ziehen. Auch Larry Ellison: Schon in wenigen Monaten soll sein neuer Stolz - mit kolportierten Maßen von mehr als 120 Metern - vom Stapel laufen.

Das Jachtgeschäft gilt als eines der sichersten der Welt. Die Flotte der schwimmenden Paläste wächst unaufhaltsam, und die meisten Werften sind auf Jahre hinaus ausgebucht. Von exklusiven Wünschen und Spleens der Superreichen profitieren auch unzählige Zulieferer. Ein Bruder des Sultans von Brunei etwa bestand auf einen seitlich aus dem Rumpf ausfahrbaren künstlichen Sandstrand und eine begehbare Kühlkammer für Pelzmäntel.

Boomende Branche
"Was auch immer ein Klient von uns verlangt - kein Problem, wir kriegen das hin", sagt auch Diego Torres. Die Jachten von heute haben wenig gemeinsam mit den Vergnügungsschiffen der High-Society: Sie dienen auch als schwimmendes Büro mit Flugplatz und bieten die Annehmlichkeiten einer Luxusvilla mit mobiler Badebucht. Immer ausgefallener werden auch die Spielzeuge ihrer Bewohner. Während Jetski oft schon als Geschenk des Hauses an Stammkunden wie Ellison einkalkuliert sind, liegen vor allem Helikopter, Flugzeuge, U-Boote und "kleinere" 20-Meter-Segeljachten als Beiboote im Trend der Sonderausstattungen.

Auch hier scheint sich die Gigamanie auszubreiten. Für einen Kunden hat Torres drei Hubschrauber, ein U-Boot und ein Flugzeug besorgt. Und auch hier ist Service alles. Torres: "Wir übernehmen selbstverständlich auch die Innenausstattung der U-Boote und Fluggeräte."

27.6.2003 10:11