Montag, 23. Juni 2003

"Netzwerkkinder" sehen die Welt mit anderen Augen

  • Handy, Computer und Internet gehören schon zum Alltag
  • Plus: Was die Zukunft noch so Alles bringen wird

Zwei Drittel der Zehn- bis 14-Jährigen in Österreich besitzen ein Handy, bei den 14- bis 17-Jährigen haben 92 Prozent der Mädchen und 87 Prozent der Burschen einen Internetanschluss - das sind nur einige Zahlen einer Studie der mobilkom Austria die beweisen, dass eine neue Generation von Kindern heranwächst, die einen völlig anderen Zugang zur Technik und den Medien hat als ihre Eltern zuvor.

Ein Monat ohne Handy wäre eine Katastrophe, weil ich nicht immer erreichbar bin, schrecklich, weil meine Eltern mich nicht abholen könnten oder wie eine Familie ohne Kinder oder ein Kopf ohne Haare: Diese Einsichten gewährten Sechs- bis 14-Jährige im Rahmen einer im Auftrag der mobilkom austria durchgeführten Befragung, bei der erstmals in Österreich das Leben und Lernen von Kindern im Zeitalter der neuen Medientechnologie untersucht wurde.

"Netzwerkkinder" sind keine Revoluzzer
Gleich vorweg: Die Buben und Mädchen haben einen unbefangenen Umgang mit Handy und Computer. Die "Netzwerkkinder" sind keine Revoluzzer, sondern pünktlich, brav, selbstständig und weit davon entfernt, sich vom Mobiltelefon stressen zu lassen.

Vom Babyphon an den Computer
Zwei Drittel der befragten Zehn- bis 14-Jährigen besitzen ein Handy, bei den Sechs- bis Neunjährigen sind es immerhin 16 Prozent. 59 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen haben Internet-Zugang, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es 92 Prozent der Mädchen und 87 Prozent der Burschen.

Schon im Volksschulalter schätzen die Buben und Mädchen ihr Computer-Know-how gleich ein wie das der Mütter, bloß der Vater kennt sich noch ein bisschen besser aus. Die Elf- bis 14-Jährigen meinen, die Nase vor beiden Elternteilen zu haben.

Ein Monat ohne Computer wäre in den Augen der Kinder einerseits schlecht, weil ihnen dann langweilig wäre, andererseits auch ganz gut, weil man mehr Zeit für andere Dinge hätte.

Mit dem Handy Staubsaugen und Autofahren
Die technologische Zukunft stellen sich die "Netzwerkkinder" so vor: Jeder Mensch wird einen Computer haben und keine Schreibsachen mehr brauchen. In der Schule wird jedes Kind am PC arbeiten. Einkaufen wird nur noch über Internet möglich sein. Der Computer wird für Medizin und Forschung am wichtigsten. Handys werden kleiner und leichter, stabiler und bunter. Man wird damit Filme drehen und fotografieren können. Sie werden mehr Spiele haben. Fernsehen mit Handy wird normal sein. Das Festnetz wird abgeschafft. Mit dem Handy wird man Staubsaugen und ein Auto lenken können.

Inhalt und Kommunikation
Der prominenteste Teilnehmer des derzeit in Wien stattfindenden Symposiums über das Leben, Lieben und Lernen der "Netzwerkkinder", der britische Trendforscher Patrick Dixon, stellt die Neuen Medien unter zwei Aspekte: Sie bieten Inhalte und ermöglichen Kommunikation. Der Zugang der jungen Leute wird seiner Überzeugung nach immer ein emotionaler sein, und daher heiße der Sieger unter den beiden Angeboten Kommunikation - sei es beim Chat oder via Handy.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Bedenken, dass zwischenmenschliche Kontakte womöglich nur noch via Computer oder Mobiltelefon zu Stande kommen, teilt er nicht: Die Technik wird zusätzliche Möglichkeiten bieten, ihr Einsatz wird nicht zu Lasten des Gesprächs von Angesicht zu Angesicht gehen.

Durch das Chatten gewinnt das geschriebene Wort an Bedeutung. Handys, immer aktiv, werden von den Kids benützt werden, um deren Freunde via Live-Kamera an ihrem aktuellen Tun teilhaben zu lassen und mal zu vergleichen, auf welcher Party gerade mehr los ist. Die Kommunikation wird entsprechend intensiver: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und bewegte Bilder sagen mehr als 10.000 Worte. (apa/red)

23.6.2003 12:32