Samstag, 28. Juni 2003

Ostdeutsche Metall-Tarifverhandlungen gescheitert

  • IG-Metall hat erstmals seit 1954 ein Streikziel verfehlt
  • Folge: Keine 35-Stunden-Woche, Streiks werden beendet

Die Tarifverhandlungen um die Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie sind gescheitert. IG Metall und Arbeitgeber konnten sich am Samstag in Berlin auch nach 16-stündigen Verhandlungen nicht einigen. Die Gewerkschaft gab den Arbeitgebern die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Die Streiks sollen jetzt beendet werden - die IG-Metall hat damit erstmals seit 1954 ein Streikziel verfehlt.

"Wir glauben, dass die Arbeitgeber eine große Chance verpasst haben", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin, Düvel. Nun würden weitere Haustarife ausgehandelt. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Fischer, erklärte: "Wir werden uns der Situation stellen". Streiks seien in der derzeitigen Situation "das falsche Mittel zum falschen Zeitpunkt".

Der Vorschlag der Arbeitgeber, sah die Einführung eines Korridormodells zum 1. April 2005 vor. Danach sollten die Betriebe je nach der Ertragslage die Arbeitszeiten zwischen 35 und 40 Stunden in der Woche selbst festlegen. Bemessungsgrundlage für die Löhne sollte die 37-Stundenwoche statt wie von der IG Metall gefordert die 38- Stundenwoche sein. Der Tarifvertrag sollte eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2008 haben.

35-Stunden-Woche
Die Arbeitnehmer wollten eine Arbeitszeitverkürzung um drei Stunden auf 35 Wochenstunden durchsetzten und dafür einen festen Zeitplan vereinbaren. Dies lehnten die Arbeitgeber, die in der Mehrarbeit einen wichtigen Standortvorteil für ostdeutsche Firmen sehen, ab.

Seit vier Wochen wird in ausgewählten Betrieben in Ostdeutschland gestreikt. Von den Folgen war auch die Produktion in westdeutschen Betrieben - darunter auch Volkswagen und BMW - betroffen.

IG-Metall will Streiks beenden
Die IG Metall will die seit knapp vier Wochen anhaltenden Streiks in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie beenden. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Samstag erfuhr, sollen die Arbeitskämpfe zur schrittweisen Durchsetzung der 35- Stunden-Woche im Flächentarif beendet werden. Damit hat die IG Metall erstmals seit 1954 ein Streikziel verfehlt.

In der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie sind 310.000 Beschäftigte tätig. Die Ost-Metaller arbeiten 38 Stunden in der Woche und damit drei Stunden länger als ihre westdeutschen Kollegen.
(apa, red)

28.6.2003 08:33