Freitag, 27. Juni 2003

FORMAT über Mister Olympia: Wallners größter Jackpot

  • High-Tech am Pazifik gegen Mozartkugel und Alpencharme
  • Ja zu Salzburg 2010 würde Österreich 950 Mio. Dollar bringen!

Es ist sein größter Jackpot: Am 2. Juli entscheidet sich, ob Olympiapräsident Leo Wallner die Winterspiele 2010 nach Salzburg holen kann – dann rollen Milliarden Euro nach Österreich. Ein Ja würde Österreich 950 Millionen Dollar Wertschöpfung bringen!

In Katar erläuterte Leo Wallner, Boss der Casinos Austria, kürzlich mit dem Sohn des dortigen Emirs ein mögliches Lotterienprojekt – und zwar für die Fußball-Liga des Wüstenstaats, die gerade europäische Kickerstars im Dutzend einkauft. Der Scheich, der auch als Sportminister fungiert, war vom Besuch aus Österreich sehr angetan. Man einigte sich, Kontakt in der Sache zu halten.

Sein diplomatisches Geschick setzte Wallner gleich noch anderwärtig ein. Sein Gesprächspartner in Katar ist auch Mitglied des International Olympic Committee (IOC). Und der Casinos-General, im Nebenberuf Österreichs Olympiapräsident, nutzte die günstige Gelegenheit, die Werbetrommel für Winterspiele in Salzburg 2010 zu rühren.

Die Uhr tickt! Wenige Tage bleiben dem österreichischen Mr. Olympia noch Zeit, zusätzliche Fürsprecher für Salzburg zu gewinnen. Am 2. Juli werden 115 bis 120 IOC-Mitglieder in Prag entscheiden, wo die Winterolympiade 2010 über die Bühne geht. Leo Wallner kurbelt trotz seiner 67 Jahre derzeit fast rund um die Uhr, um das lukrative Mega-Ereignis – mit der Herrenabfahrt auf der Kitzbüheler Streif – nach Österreich zu holen. „Zwanzig bis dreißig Prozent der Delegierten, so schätze ich, sind noch unentschlossen. Das Finale ist spannend wie nie.“ Vor allem die kanadische Stadt Vancouver erweist sich als beinharter Konkurrent. Pyeongchang in Südkorea, der dritte Bewerber, hat indes kaum Chancen.

High-Tech am Pazifik gegen Mozartkugel und Alpencharme
Am Tag X haben alle Kandidaten noch einmal je 45 Minuten Zeit für eine Schlusspräsentation. Den Beginn macht Vancouver, danach ist Salzburg dran. High-Tech am Pazifik gegen Mozartkugel und Alpencharme, so lautet das Match.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der auch im Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) sitzt, schätzt "die Chancen 50:50. Es ist eine Sensation, dass wir gleichauf mit Kanada liegen." Sogar Bundeskanzler Schüssel reist nach Prag, um die Entscheidung live zu erleben.

Ein Turboschub für die Konjunktur
Nationale Dimensionen hätte der Olympiazuschlag an Salzburg allemal. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat an Wertschöpfung für Österreich 950 Millionen Dollar errechnet (der Dollar ist die Olympia-Währung). Das entspricht rund 0,5 Prozent des aktuellen BIP. „Ein schönes Konjunkturpaket“, wie IHS-Chef Bernhard Felderer anmerkt. Fast 13.200 direkte und weitere 5.300 indirekte Arbeitsplätze würden zwischen 2006 und 2010 geschaffen. Dem Finanzminister flößen, ohne dass er etwas dafür tun muss, zusätzliche Steuern von 330 Millionen Dollar zu. Die Werbung für Österreich "wäre schlicht unbezahlbar" (Wallner).

Erwartet werden weltweit 10.400 Stunden Fernsehübertragungen, davon rund ein Viertel in der Primetime, der besten Sendezeit. Nur mit den Werbepreisen des ORF gerechnet, ergibt das einen Wert von über neun Milliarden Dollar, wobei die TV-Tarife etwa in den USA oder Deutschland noch um ein Vielfaches höher sind.

Die zusätzlichen Tourismuseinnahmen während der Spiele werden mit gut 150 Millionen Dollar beziffert. "Gar nicht zu reden vom langfristig positiven Effekt auf unseren Wintertourismus", schwelgt Leitl in Vorfreude.

27.6.2003 12:52