Freitag, 27. Juni 2003

Metallerstreik: Bänder im VW-Werk stehen still!

  • Bisher Produktionsausfall von 20.000 Autos
  • Nach 70 Jahren: Letzter VW-Käfer rollt Ende Juli vom Band

Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren muss im VW-Werk in Wolfsburg wegen eines Streiks die Produktion gestoppt werden. Im Volkswagen-Stammwerk stehen heute die Bänder für den Bau der VW-Modelle Golf und Lupo still. Der Grund: Wegen des Streiks in den ostdeutschen Werken Chemnitz und Zwickau fehlen Teile für die Fertigung. Mehr als 10.000 Beschäftigte müssen zu Hause bleiben.

Täglich können wegen fehlender Bauteile 2.000 Fahrzeuge nicht vom Band laufen, wie ein Unternehmenssprecher berichtete. Von der Produktionspause - die zunächst bis einschließlich Montag dauern soll - seien einige tausend Mitarbeiter betroffen. Wann die Bänder wieder laufen, hänge von der Fortdauer der Streiks für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland ab.

Inklusive Freitag bedeutet der Streik nach Firmenangaben einen Ausfall von 20.000 Autos. Für jeden weiteren Streiktag kommen 3.000 Autos hinzu, 2.000 in Wolfsburg und etwa 1.000 in den sächsischen VW-Werken Mosel, Chemnitz und Dresden. Zuletzt trafen VW 1984 ebenfalls indirekt Folgen des Streiks für die 35-Stunden-Woche.

Zunächst will das Unternehmen nach Angaben von Sprecher Peter Schlelein auf Kurzarbeit verzichten und stattdessen die Optionen der Arbeitszeitkonten nutzen. Sollte sich der Produktionsausfall jedoch bis Dienstag hinziehen, werde Kurzarbeit beantragt. Die Kosten des Streiks konnte VW noch nicht beziffern.

Die Betriebsräte des VW-Konzerns haben den streikenden Metallbeschäftigen in Ostdeutschland Unterstützung zugesichert. Man sei solidarisch mit den Kollegen in Sachsen, Berlin und Brandenburg und stelle sich hinter die Forderung nach der schrittweisen Einführung der 35-Stunden-Woche, erklärte eine Betriebsräteversammlung des Autokonzerns.

Echte Streiks in Wolfsburg selbst hat es laut IG Metall nie gegeben. In den 70er Jahren war in der Nacht vor einem beschlossenen Streik wegen Streitigkeiten um den Haustarifvertrag in letzter Minute eine Einigung erzielt worden. 1984 war Volkswagen schwer von der so genannten Fernwirkung getroffen worden, als die IG Metall im Kampf um die 35-Stunden-Woche in Deutschland gezielt Zulieferer bestreikte. Damals wie heute fehlten deshalb Teile für die Produktion.

(APA/Red.)

27.6.2003 08:16