FORMAT dokumentiert: Der Kampf um die Voest
- Androsch gegen Stronach: Die Übernahme-Pläne der Multis
Jetzt geht der Poker so richtig los: Die Linzer Raiffeisenbank hat mit einem konkreten Offert plötzlich die besten Chancen auf die Voest. Der Magna-Konzern hat - im Moment - schlechte Karten, nachdem die Koalitions-internen Pläne an die Öffentlichkeit gekommen waren.
Voest-General Franz Struzl hat die Nase gestrichen voll. Bis vor einer Woche hatte er stets erklärt, die ÖIAG möge wenigstens 25 Prozent an der Voest möglichst noch drei Jahre lang behalten, damit der Stahlkonzern seine Expansion zum Autozulieferer in Ruhe abschließen kann. "In geordneten Verhältnissen wäre ich dafür gewesen. Aber nicht in einem Umfeld der permanenten politischen Diskussion. Jetzt wünsche ich mir die rasche Totalprivatisierung." Struzl will die Staatsholding als Eigentümer so schnell wie möglich loswerden.
Nach dem Eklat um die Geheimverhandlungen zwischen ÖIAG und Magna ist dem Mann sein Sinneswandel nicht zu verdenken. Frank Stronach und Magna-Topmanager Siegfried Wolf haben mit ihrem Übernahmeplan für die Voest derzeit schlechte Karten, weil der Finanzminister eine Zerschlagung der Voest eilig ausgeschlossen hat. "Freundlich" gesinnte Finanzinvestoren sind schon zur Stelle. Der Kampf um die Voest geht in die nächste Runde.
Der Schlachtplan der Raiffeisen-Banker
Ludwig Scharinger, Chef von Raiffeisen Oberösterreich, hat einen Schlachtplan erarbeitet, wie er der ÖIAG ihr gesamtes 34,7-Prozent-Paket an der Voest abnehmen könnte. Und ein einflussreicher Industriekapitän und Ex-Politiker, Hannes Androsch, bastelt an Konzepten für sogar noch weiter reichende Transaktionen.
Die aufgebrachte Voest-Belegschaft in Linz macht Druck. Sie fordert die ÖIAG auf, die ersten neun Prozent noch vor der oberösterreichischen Landtagswahl Ende September zu verkaufen, um das Schreckgespenst Magna zu vertreiben. Denn diese Anteile würde Scharinger sofort übernehmen. Betriebsratschef Helmut Oberchristl: "Die Magna-Aktion und die damit drohende Filetierung war von langer Hand geplant." Auch Generaldirektor Struzl kämpft. Er will nicht als der letzte Voest-Chef in die Geschichte eingehen und kritisiert, dass der Verkauf von Voest-Aktien über die Börse in den letzten Monaten versäumt wurde: "Bis zu 15 Prozent wären erfolgreich zu platzieren gewesen."
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