Schulschwänzer: Steiermarks Schulrat für Lockerung
- Freigabe von zehn Prozent der Unterrichtszeit
- Zurückhaltung im Ministerium
Schüler ab der neunten Schulstufe sollen künftig auch ohne offizielle Entschuldigung der Eltern vom Schulunterricht fernbleiben können. Das schlägt der steirische Präsident des Landesschulrates, Horst Lattinger, vor. Die zuständige Landesrätin glaubt aber nicht, dass die Teenager schon selbständig genug für so viel Eigenverantwortung sind. Und das Ministerium weist auf die legistischen Schwierigkeiten: Eine Umsetzung der Idee bräuchte eine 2/3-Mehrheit.
Das "Schulschwänzen" soll allerdings nicht völlig freigegeben werden, sondern nur zu einem gewissen Teil jedem Schüler freigestellt werden. "Wenn die Anwesenheit unter die 90-Prozentgrenze fällt, müsste der Schüler allerdings eine Feststellungsprüfung absolvieren".
"Es geht um den Lernprozess und die Erreichung des Lernziels und da ist es egal, ob das Ziel nicht erreicht wird, weil der Schüler gerechtfertigt oder ungerechtfertigt fehlt". Das Mehr an Selbstbestimmung in der zeitlichen Gestaltung des Schulalltages würde die Eigenverantwortung des Schülers fordern.
"Der Erfolg von Schülern und Studenten hängt letztlich davon ab, ob die jungen Leute den Lernprozess als Zwangsbeglückung oder als Chance sehen, sich durch persönlichen Einsatz bessere Lebensbedingungen zu schaffen", so Lattinger.
"Schule ist nicht Uni"
Keine Zustimmung findet der Vorschlag des Schulratspräsidenten bei der steirischen Schullandesrätin Kristina Edlinger-Ploder: "Die Schule ist kein Selbstbedienungsladen und sie ist auch nicht die Universität. Da muss man schon klare Unterschiede machen". Sie glaube schon, "dass es in diesem Alter sinnvoll ist, die Eltern noch ein Wörtchen mitreden zu lassen".
Dem Problem des Schulschwänzens werde man nicht beikommen, indem man die Regelung lockere, sondern den Eltern und Schülern mehr Orientierungshilfe bei der Wahl der Ausbildung gebe, hielt die Landesrätin fest. "Eltern schulschwänzender Kinder und die Schüler selbst müssten sich "vielleicht öfter fragen", ob sie den richtigen Bildungsweg gewählt haben", so Edlinger-Ploder.
Ministerium wenig begeistert
Eher reserviert zeigte man sich am Mittwoch auch von Seiten des Bildungsministeriums: "Wenn Lattinger diesen Vorschlag ausprobieren will, besteht die Möglichkeit, einen Schulversuch zu beantragen", hieß es im Büro von Bildungsministerin Gehrer. Eine generelle Änderung des bisherigen Prozederes - Schüler ab der neunten Schulstufe können ihre Entschuldigung derzeit nur mit einer Ermächtigung der Eltern selbst ausstellen - würde eine Änderung des bisherigen Gesetzes notwendig machen, dem eine Zustimmung von zwei Dritteln der Nationalratsabgeordneten vorausgehen müsste.
(apa, red)
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