Montag, 23. Juni 2003

Ankerbrot wartet auf den deutschen Millionär Ostendorf

  • Verhandlungen des Backprofi mit Gläubigerbanken im Endspurt
  • Einstieg des neuen Investors ist für Anfang Juli geplant

Hans Müller jun. ist als Alleinvorstand des österreichischen Backkonzerns Ankerbrot zurückgetreten. Am Dienstag entscheidet der Aufsichtsrat über einen Nachfolger. Die Belegschaft, die am Montag in Betriebsversammlungen informiert wurde, hofft auf den deutschen Millionär Klaus Ostendorf, der das Unternehmen aus der Krise führen soll. Die Anmeldung des Ausgleichs wird bis Ende der Woche erwartet.

Die Verhandlungen zwischen Ostendorf und den Gläubigerbanken dürften bereits im Endspurt sein. Offiziell wird aber nach wie vor von zwei Interessenten (Ostendorf und der Münchner Orlando-Gruppe) gesprochen. In Bankenkreisen spricht man hingegen nur mehr von einem Interessenten. Es werde noch ein bis zwei Tage mit dem Interessenten verhandelt, der Deal sollte bis Wochenmitte über die Bühne sein, hieß es am Montag.

Vom Ausgleich betroffen ist nur die Ankerbrot AG mit rund 900 Beschäftigten, nicht das Filialnetz, das von der 100-prozentigen Tochter Anker Snack & Coffee Gastronomiebetriebs GmbH gehalten wird. Insgesamt beschäftigt Ankerbrot 2.048 Mitarbeiter in 201 Filialen.

Ostendorf soll Anfang Juli einsteigen
Es ist geplant, dass der Backprofi Ostendorf Anfang Juli Ankerbrot übernimmt. Die Gläubigerbanken sollen das Fabriksgebäude, das ohnehin an sie verpfändet ist, kaufen und an den neuen Eigentümer verleasen. In einem ersten Schritt will Ostendorf dem Vernehmen nach 10 Mio. Euro in das Unternehmen einbringen. Das Filialnetz soll von derzeit 201 Standorten um rund 20 reduziert werden.

Beim Arbeitsmarktservice (AMS) wurden heute 300 der vom Ausgleich betroffenen 900 Mitarbeiter im Rahmen des Frühwarnsystems vorsorglich zur Kündigung angemeldet. Wie der Finanzvorstand des Noch-Mehrheitsgesellschafters Müllerbrot, Wolfram Olschowy, betont, werde es aber kaum zu dramatischem Personalabbau kommen. Die Gewerkschaft rechnet allerdings, dass es rund 100 Kündigungen geben werde. (apa)

23.6.2003 15:18