Donnerstag, 26. Juni 2003

Blair und Putin demonstrieren Einigkeit

Russland und Großbritannien haben ihre jüngsten Differenzen über den Irak-Krieg nach Ansicht von Präsident Putin und Premierminister Blair überwunden. Beide Staaten würden in Fragen des internationalen Terrorismus oder von Massenvernichtungswaffen sehr eng zusammenarbeiten, sagte Blair nach einer Unterredung mit Putin am Donnerstag. Putin hält sich seit Dienstag in Großbritannien auf.

In den vergangenen drei Jahren hätten sich die politischen, Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen rege entwickelt, sagte Blair. Putin sprach von einem "Ausdruck gegenseitiger Sympathie und gegenseitigem Respekt" zwischen Russland und Großbritannien.

Beide Politiker erörterten nach Angaben Blairs die Themen Irak und Iran, die indisch-pakistanischen Beziehungen, den Friedensprozess im Nahen Osten, religiösen Extremismus in aller Welt, die russische Wirtschaft sowie Tschetschenien. "Was den Irak betrifft, können und sollten wir zusammenarbeiten", sagte Putin.

Zuvor hatten beide Staaten eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen vereinbart. Die Minister Timms und Jussufow unterzeichneten eine Vereinbarung über eine Pipeline, die das Königreich mit russischem Gas versorgen soll. Blair zufolge machen neue Abkommen der Ölkonzerne BP und Royal Dutch Shell Britannien zum größten Investor in Russland.

Putin sagte, die Integration Russlands in die europäische und die Weltwirtschaft sei von hoher Wichtigkeit, "und das Vereinigte Königreich betrachten wir als wichtigsten Partner". Der russische Erdgaskonzern Gasprom plant den Bau der 5,7 Milliarden Dollar teuren Gaspipeline, die vom Raum St. Petersburg über Norddeutschland an die Ostküste Großbritanniens verlaufen soll.

Putins Staatsbesuch ist der erste eines russischen Staatsoberhaupts in Großbritannien seit 1874. Damals hatte sich Zar Alexander II. bei Queen Victoria in London aufgehalten. (APA)

26.6.2003 19:27