Montag, 23. Juni 2003

Kokain-Affäre: Friedman tritt zurück und bittet um zweite Chance

  • "Ja, ich habe Fehler begangen"
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Der tiefe Fall des Michel Friedman: Er tritt zurück, bittet gleichzeitig um eine 2. Chance. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, CDU-Politiker und Ex-TV-Moderator legt als Reaktion auf seine Koks-Affäre sämtliche öffentliche Ämter zurück. Er habe einen Fehler begangen und müsse akzeptieren, dass er mit den selben Maßstäben gemessen werden, die er auch an andere anlege. Und er entschuldigte sich bei seiner Lebengefährtin, der bekannten TV-Moderatorin Bärbel Schäfer.

Den Medien präsentierte sich am Dienstag ein ganz anderer Michel Friedman als man von seinen TV-Auftritten gewohnt ist. Als sich der 47-Jährige im 20. Stock eines Frankfurter Bürohochhauses in einer Anwaltskanzlei erstmals öffentlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußerte, war seine Stimme nicht wie gewohnt forsch, sondern verhalten. Friedman bilanzierte seine "Lebenskrise": "Menschen machen Fehler, auch ich."

17.400 Euro Geldstrafe und Vorstrafe
Er akzeptiere den Strafbefehl für den Kokain-Konsum (17.400 Euro Geldstrafe). Damit ist der Rechtsanwalt und CDU-Politiker vorbestraft. Die Strafe entspricht 150 Tagessätzen. Friedmann bat zugleich um "eine zweite Chance". Die erhofft sich Friedman vor allem von seiner Lebensgefährtin, der TV-Moderatorin Bärbel Schäfer. Um den privaten Scherbenhaufen besorgt, zeigte er Gefühl: Er machte Schäfer eine Liebeserklärung und bat sie vor laufenden Kameras um Entschuldigung - mehr scheint ihm auch nicht zu bleiben.

Friedman, der seit Wochen abgetaucht war, wirkte bei seinem nur wenige Minuten dauernden Auftritt noch immer angeschlagen von dem Sturz aus den Höhen des scharfzüngigen TV-Talkmasters und Partylieblings in die einsamen Niederungen der in aller Öffentlichkeit breit getretenen Details zum Prostituierten-Besuch und zum Konsum der Lust steigernden Schickeria-Droge Kokain. Er akzeptierte den Strafbefehl von 17.400 Euro ohne Wenn und Aber: "Drogen sind in einer - auch in meiner - Lebenskrise keine Hilfe, sie täuschen und sie sind gefährlich", bilanzierte Friedman den von der Staatsanwaltschaft hochgerechneten Konsum von bis zu 1,6 Gramm reinem Kokain.

Den Rücktritt vom Vizevorsitz im Zentralrat der Juden begründete der Moderator der TV-Talk-Sendung "Vorsicht Friedman" mit seinen eigenen strengen Maßstäben: "Ich habe Menschen hart befragt nach ihren politischen Fehlern. Ich muss diesen Maßstab nun akzeptieren und sage klipp und klar: 'Ja ich habe auch Fehler gemacht und werde alle öffentlichen Ämter jetzt zurückgeben.'"

Ob er seinen TV-Job retten kann, war am Dienstag mehr als fraglich. Zwar teilte der Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reize, mit, er wolle mit Friedman darüber zeitnah und vertraulich reden. Doch die Pressemitteilung lässt nichts Gutes schwanen: "Michel Friedman hat sich zum Drogenmissbrauch bekannt und muss nun damit fertig werden, vorbestraft zu sein. Er will sein Leben neu ordnen. Dafür braucht er Ruhe, Distanz und Zeit zum Nachdenken über seine Zukunft", heißt es dort.

Was ihm nach dem Debakel um Drogen und Prostituierte nun fehlt, das scheint Friedman allerdings genau zu wissen; es ist seine Lebensgefährtin Bärbel Schäfer. Sie hatte sich wegen des Skandals nach dreijähriger Freundschaft von Friedman zurückgezogen und erklärt, dass sie sich "als Frau" sehr verletzt fühle und zunächst Abstand brauche, "zeitlich wie räumlich".

In seiner vom Blatt verlesenen Erklärung wirkte Friedman denn auch am aufrichtigsten als er mit Blick auf diese Verletzungen sagte: "Ich möchte mit Bärbel Schäfer, die ich von Herzen liebe, mein Leben gestalten und ich möchte mich bei ihr hier in aller Öffentlichkeit entschuldigen". Die Beziehung scheint offenbar noch nicht völlig in die Brüche gegangen zu sein. Friedman bat die Medienvertreter und die Öffentlichkeit jedenfalls um Mithilfe bei einem Neuanfang: "Ich bitte sie, unsere Privatsphäre eine Zeit lang zu respektieren. Ich bitte sie um eine zweite Chance", sagte Friedman eindringlich - und erntete ein freundliches und zustimmendes Schweigen der Medienvertreter.

So kam Friedmann ins Visier der Fahnder
Die Staatsanwaltschaft war auf Friedman laut Medienberichten bei Ermittlungen gegen einen Prostituiertenring aus Osteuropa gestoßen. Friedman soll in einem Berliner Hotel in Anwesenheit von Prostitutierten mehrmals Kokain genommen haben. Im Zuge der Ermittlungen waren am 4. Juni seine Frankfurter Privat- und Büroräume durchsucht und dabei drei Päckchen mit Pulver-Rückständen sichergestellt worden. (APA/red)

23.6.2003 11:55