Donnerstag, 26. Juni 2003

Wegen Misshandlungen: UNO-Polizist aus Österreich im Kosovo vor Gericht

  • Verhandlung ohne Angeklagten begonnen

Gegen den früheren österreichischen UNO-Polizisten Martin A. begann am Donnerstag im Kosovo ein Prozess wegen Misshandlung eines Gefangenen. Die erste Verhandlung findet am Nachmittag vor dem Bezirksgericht im südkosovarischen Rrahovec (Orahovac) statt, teilte der Pressesprecher der UNO- Übergangsverwaltung (UNMIK), Andrea Angeli, am Donnerstag mit.

Die UNMIK beharre darauf, dass der Prozess gegen A. im Kosovo stattfinde, erteilte Angeli Bestrebungen der österreichischen Justiz zur Verlegung des Verfahrens eine Absage. A. drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

"Wir hoffen bis zur letzten Minute, dass er erscheint", sagte Angeli. Sollte dies nicht der Fall sein, werde der Senat (zwei internationale und ein kosovarischer Richter) den Prozess höchstwahrscheinlich um zwei oder drei Tage vertagen. "Ohne ihnen vorgreifen zu wollen, werden die Richter den Prozess dann höchstwahrscheinlich in Abwesenheit von Martin A. fortführen", sagte der UNMIK-Sprecher.

Innenminister Strasser (V) hat unterdessen seinen Schritt, Martin A. im Vorjahr nach dem Vorfall aus dem Kosovo zu holen, verteidigt. "In der ersten Sekunde hatte er Anspruch auf Unterstützung und Schutz, dazu stehe ich".

Martin A. soll gemeinsam mit zwei Beamten der lokalen Polizei am 25. Februar einen wegen Raubmordes gefangen genommenen Albaner in den Bauch geschlagen haben. Später soll dieser auch gezwungen worden sein, eine Grube auszuheben. Tags darauf meldete ein deutscher UNO- Polizist, der Augenzeuge des Vorfalls gewesen sei, den Vorfall. Daraufhin wurde Martin A. von der Untersuchungsbehörde der UNO befragt und festgenommen. Am 27. Februar stellte ein Arzt in Prizren schwere psychische Probleme bei A. fest. (apa)

26.6.2003 13:23