Mittwoch, 25. Juni 2003

Mankell zum neuen Roman über Fundamentalismus und USA

Henning Mankell, dessen Kriminalroman "Vor dem Frost" am 18. Juli in deutscher Sprache erscheint, nimmt in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe zu den hochaktuellen Kernthemen des Buches Stellung: Es geht um religiösen Fanatismus, Fundamentalismus und dem Umgang des Westens mit diesen Phänomenen.

Das Buch, in dem erstmals Wallanders Tochter Linda ermittelt, erzählt von einer Sekte fundamentalistischer Abtreibungsgegner, die in Schweden Ritualmorde verübt. Am 8. September 2001 scheitert die Sprengung von 13 Kirchtürmen - drei Tage später, am 11. September, zeigen die Attentäter vom World Trade Center den nordeuropäischen Amateuren, wie man es macht.

Mankell: " In der westlichen Welt würden neun von zehn Leuten auf der Straße sagen, dass ein religiös motivierter Terrorist aus einem arabischen Land kommt und Moslem ist. Das ist falsch. Es gibt Fanatiker in allen Religionen außer dem Buddhismus. Man denke nur an die Christen, die in den USA wegen Abtreibungen morden. Mich ängstigt die Ignoranz derer, die auf Moslems als Terroristen fixiert sind."

Auch George Bush ist laut Mankell ein fanatischer Fundamentalist: "Bush spricht ja immer wieder über Gott, er spricht, als fühlte er sich wie ein auferstandener Christus. Natürlich fliegen die Amerikaner nicht in Wolkenkratzer hinein - sie werfen Bomben auf die Häuser ab. Es wäre aber gefährlich zu vergleichen, wie die Amerikaner im Krieg gehandelt haben und wie die Terroristen agiert haben. Doch auch wenn Bush immer sagt, die USA bekämpften nicht Moslems, sondern Terroristen, gibt es derzeit einfach einen religiösen Krieg der Kreuzritter aus dem Westen. Aber wir wissen doch alle, dass der Westen nur am Öl interessiert ist. Als wegen der Sanktionen Hunderttausende Kinder gestorben sind, hat hier niemand widersprochen. In Amerika selbst droht eine Renaissance der McCarthy-Ära."

Mankell weiter: "Die Grundidee des Sozialismus ist Solidarität. Das ist eine lebendige Idee, die nicht falsch sein kann. Also wird sich die Welt später wieder nach links drehen. Doch jetzt ist Russland in Stücke gebrochen und geschwächt. Das hat die USA so zuversichtlich gemacht, die Welt nach ihren Vorstellungen ordnen zu können. Die Amerikaner wissen aber, dass sie vielleicht nur zehn Jahre Zeit dafür haben. Dann wird Russland nicht mehr so schwach sein, und auch China wird mitmischen."

Die projektierte Roman-Trilogie um Wallanders Tochter muss noch nicht das Ende des Kult-Kommissars bedeuten. Mankell: "Vielleicht schreibe ich noch ein paar mehr. Mich interessiert es, die Erzählperspektive zu ändern. Es war eine Herausforderung, über eine junge Ermittlerin zu schreiben. Außerdem macht es Spaß, Kinder ihre Eltern beurteilen zu lassen. Wir erfahren so viel Neues über Kurt Wallander."

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

25.6.2003 12:13