Mittwoch, 25. Juni 2003

Israelische Kultusgemeinde in Not: 30 Kündigungen bis Monatsende

  • Präsident Muzicant um öffentliche Unterstützung bemüht

Bis Monatsende wird rund 30 Mitarbeitern der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien die Kündigung ausgesprochen. Das hat der Kultusvorstand in einer neuerlichen Marathonsitzung beschlossen, wie IKG-Generalsekretär Hodik am Mittwoch bestätigte. Seit Bekanntwerden der prekären finanziellen Situation der Gemeinde habe sich Präsident Muzicant um Unterstützung der öffentlichen Hand bemüht.

"Aber auf Regierungsseite hat sich nichts bewegt." Nun müsse sichergestellt werden, dass es im Budget 2004 keinen Abgang gebe. Dazu brauche es ein Abschlanken der jährlich zur Verfügung stehenden Mittel um rund 2,5 Mio. Euro.

Banken-Kredite erschöpft
Da die Gemeinde nach 1945 das von den Nationalsozialisten zerstörte bzw. entzogene Gemeindevermögen nicht entschädigt erhalten habe und - anders als in Deutschland - die Strukturen aus Eigenem wieder aufbauen und erhalten musste, habe man dafür sukzessive Liegenschaften, die sich im Besitz der Gemeinde befanden, verkauft, so Hodik. Das rüttle aber a la longue "am Kern der materiellen Existenz". Daher sei man in den achtziger Jahren dazu übergegangen, die jährlichen Defizite durch Kredite abzudecken. Doch nun sei das Entgegenkommen der Banken erschöpft.

Ein ausgeglichenes Budget 2004 bedeute, dass alle in den kommenden Tagen ausgesprochenen Kündigungen "mit 1. Jänner 2004 schlagend werden". Die genaue Zahl der vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter wollte Hodik noch nicht nennen, da die Betroffenen noch nicht informiert seien. Beim Arbeitsmarktservice habe man "bis zu 35 Personen" angemeldet". Kürzungen wird es nicht nur im Personalbereich, sondern auch etwa bei Subventionen für Vereine geben, oder bei den Stipendien, die es auch Kindern aus finanziell nicht so gut gestellten Familien derzeit ermöglichen, eine der jüdischen Schulen zu besuchen.

Noch sei dieses Sparpaket rückgängig zu machen, so Hodik, da die Maßnahmen so ausgerichtet seien, dass sie mit Jahresbeginn 2004 greifen. Es gebe also noch "die Möglichkeit, das Steuer herumzureißen". Allerdings sei man auf Grund der bisherigen Verhandlungen und Gespräche "nicht sehr optimistisch". (apa)

25.6.2003 11:22