Dienstag, 24. Juni 2003

Betrug in Milliardenhöhe: Kärntner Geschäftsmann gründete 1.000 Scheinfirmen!

  • Rund eine Milliarde Euro Schaden wird vermutet
  • Krankenkassenbeiträge, Steuern und Abgaben unterschlagen

Die Finanzbehörden haben offenbar einen Abgabenbetrug im großen Stil aufgedeckt. Gefahndet wird nach einem flüchtigen Geschäftsmann aus Kärnten, der österreichweit an die 1.000 Scheinfirmen in der Baubranche gegründet und darin hunderte Schwarzarbeiter beschäftigt hat. Der Schaden dürfte eine Milliarde Euro betragen.

Der Kärntner war in der Baubranche aktiv und soll gemeinsam mit anderen Tätern ganz Österreich mit einem Netz dubioser Firmen überzogen haben. Nach Informationen der "Kärntner Tageszeitung" soll es im Raum Wien in dieser Causa bereits zwei Verhaftungen gegeben haben.

Der Geschäftsmann ging immer nach dem gleichen Muster vor. Slowaken, Tschechen, Bosnier oder Serben wurden angeheuert, die als Firmengründer auftraten. Sie erhielten als Belohnung einige 100 Euro plus Spesen. Nach erfolgter Anmeldung der Firma fuhren die meisten wieder nach Hause, mussten davor jedoch eine Generalvollmacht hinterlassen, die auf österreichische Staatsbürger ausgestellt war.

Scheinfirmen lukrativ verkauft
Zurück blieben Scheinfirmen, die nur auf dem Papier existierten und anschließend "verkauft" wurden. Die neuen Firmeneigner boten dann unter dem Preis bei Bauaufträgen mit, die dann mit Schwarzarbeitern abgewickelt wurden. Um bei eventuellen Kontrollen Papiere vorweisen zu können, wurden Arbeiter bei der Gebietskrankenkasse angemeldet, zumeist aber sehr schnell wieder abgemeldet.

Bis zu 1 Milliarde Euro Schaden
Die Finanzbehörden wollten am Dienstag unter Hinweis auf "laufende Verfahren" offiziell keinen Kommentar abgeben. Die Schadenssumme durch entgangene Krankenkassenbeiträge, Steuern und Abgaben dürfte jedoch enorm sein, die Rede war von bis zu einer Milliarde Euro. (apa)

24.6.2003 12:08