Montag, 23. Juni 2003

Haider möchte noch Bundeskanzler werden

  • Kärntner LH in der Zeitung: Wenn sich die Gelegenheit ergibt
  • PLUS: Ihre Meinung! Zu Pensionsreform und Haiders Plänen

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ) will - als krönender Höhepunkt seiner Polit-Karriere - noch Bundeskanzler werden. Man werde sehen, wann sich "die Gelegenheit ergibt", lässt der ehemalige FPÖ-Chef in einem Zeitungsinterview wissen. Als mittelfristiges Strategie für die FPÖ will Haider die Partei wieder in die Nähe von 20 Prozent bringen.

In der Dienstag-Ausgabe der "Presse" sagt Haider, Vizekanzler sei für ihn kein Thema.

Gusenbauer "anständig" und "fair"
Lob streut Haider dem SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer. "Ich halte ihn nach wie vor für einen anständigen und fairen Gesprächspartner." Die "Spielvarianten" für Koalitionen seien größer geworden. "Und wenn Gusenbauer klug ist, normalisiert er zu allen Parteien das Verhältnis - ohne dass das ein Koalitionsangebot sein muss."

Leise Kritik an Schüssel
Was Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) betrifft, "habe ich weder ein getrübtes noch ungetrübtes" Verhältnis. "Er hat seine Chancen wahr genommen. Das hat mir weh getan und die FPÖ zerstört. Ich hätte mir an seiner Stelle gut überlegt, ob ich einen Partner FPÖ und einen Jörg Haider, der ihm gegenüber unwahrscheinlich fair gewesen ist, so behandelt hätte, wie er es getan hat."

Volksbefragung im Herbst?
Zur Pensionsreform und der anstehenden Harmonisierung sowie der von der FPÖ verlangten Volksabstimmung sagt Haider, es gehe nur darum, die Bevölkerung einzubinden. "Sollten meine roten und schwarzen Freunde nicht mitgehen, werden wir über den Sommer Unterschriften sammeln, um im Herbst eine Volksbefragung durchzuführen."

Abfangjäger noch mal überlegen
Auf die Abfangjäger angesprochen, appellierte Haider an den Koalitionspartner, "in Ruhe zu bereden, ob man da nicht eine völlig kurzsichtige Entscheidung getroffen hat". Es gebe immer noch die Hoffnung, dass die Vernunft nicht gänzlich ausgezogen sei. Der Minister könne noch sagen, entweder man stoppe die Verhandlungen oder prüfe andere Varianten. Haider: "Warum sind 18 EADS-Abfangjäger teurer als 24? Das ist nicht einsichtig." Ob die Abfangjäger eine Koalitionsfrage werden? - Haider: "Dann wird es natürlich schwierig werden."

Grasser soll vorwärts gehen
Haider hält die Causa Grasser für "moralisch nicht in Ordnung". In der "Presse" sagt Haider, ein Finanzminister dürfe sich alles leisten, "nur darf er nicht den Eindruck erwecken, dass er käuflich oder beeinflussbar ist von irgendwelchen Lobbyistengruppen".

Haider rät dem Finanzminister zur "Flucht nach vorne". Rechtlich würde wahrscheinlich nichts hängen bleiben, "wenn man sagt, er hat tätige Reue geübt. Dafür hat die Bevölkerung auch Verständnis". Er finde es jedenfalls "schade, dass jemand aus persönlicher Selbstüberschätzung sich auf dieses Terrain begeben hat".
(apa)

23.6.2003 19:54