Samstag, 21. Juni 2003

Eine "Jahrhundertbegabung" ist 60

  • Klaus Maria Brandauer feierte Geburtstag
  • Größter heimischer Bühnen- und Filmstar seit Oskar Werner

Fritz Kortner nannte ihn eine "Jahrhundertbegabung", Sean Connery rechnete ihn zu den fünf besten Schauspielern der Welt. Auch wenn manche Lexika den Jubeltag erst ein Jahr später ansetzen: Am Sonntag, dem 22. Juni 2003, feierte Klaus Maria Brandauer, Österreichs größter Bühnen- und Filmstar seit Oskar Werner, seinen 60. Geburtstag. Und zwar auf der Bühne: In der Sprechrolle des Bassa Selim feierte er am selben Abend die Premiere von Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" am Zürcher Opernhaus.

Als Theaterschauspieler hat "KMB" sich in den vergangenen Jahren rar gemacht. Zwar füllte er als "Cyrano" nach neun Jahren Abstinenz vom Burgtheater in über 70 Vorstellungen seit 1999 das Haus am Ring. Aber der Schwerpunkt seiner zahllosen Projekte gilt in letzter Zeit eindeutig Lesungen, Film und Regie. Das mag mit seinem Ruf als "Schwieriger" zusammen hängen, dessen künstlerische Ansprüche nur schwer zu befriedigen sind. Ganz sicher aber hat auch der frühe Tod seiner 1992 an Krebs verstorbenen Frau Karin den früher auch als exaltierten Selbstdarsteller Geltenden nachhaltig verändert und seinen jahrelangen Rückzug ausgelöst.

Geboren wurde Klaus Maria Brandauer am 22. Juni 1943 in Bad Aussee als Klaus Georg Steng. Die ersten Jahre lebte er mit seiner Mutter und den Großeltern zusammen, seinen Vater lernte er erst mit sechs Jahren kennen, als dieser aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam. Nach der Matura 1962 studierte er zwei Semester an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und debütierte schon 1963 am Landestheater Tübingen. Im selben Jahr heiratete er seine Jugendliebe Karin.

1964 wechselte Brandauer ans Landestheater Salzburg und kam über Düsseldorf 1968 ans Wiener Theater in der Josefstadt, wo er u.a. in Fritz Kortners letzter Inszenierung als Prinz Gonzaga in Lessings "Emilia Galotti" (1970) mitwirkte. Ab 1971 am Burgtheater und daneben regelmäßig u.a. in München, an der Josefstadt, bei den Salzburger Festspielen sowie den Burgspielen Forchtenstein, avancierte er bald, zwischen den großen Rollen des klassischen und des modernen Repertoires balancierend, zu einem der gefragtesten und bestbezahlten Schauspieler des deutschen Sprachraums.

Von 1983 bis 1988 verkörperte Brandauer den Salzburger "Jedermann." Er war gefeierter Star einer Reihe von Shakespeare-Inszenierungen von Otto Schenk, als Orsino in "Was ihr wollt", Petrucchio in der "Widerspenstigen Zähmung" oder als Romeo. Die Brandauer-Fangemeinde pilgerte ins Burgtheater zu seinem "Tartuffe" (1981), zu seinem "Hamlet" (1985) - mit 100 Aufführungen bis 1990 einer der Publikumsmagnete des Hauses.

Die Journalistin Christine Dössel (Süddeutsche Zeitung) arbeitet an einer Biografie Brandauers, die ursprünglich zu seinem 60. Geburtstag in der Edition Burgtheater (Residenz Verlag) herauskommen sollte. Unter dem Titel "Das Schwerste ist am leichtesten" und "Bleiben tu' ich mir nicht" hat Brandauer schon zuvor autobiographische Bände veröffentlicht. Dössels Buch, dessen Erscheinen sich nun aber verzögern wird, soll "Die Kunst der Verführung" heißen. (APA/red)

21.6.2003 22:14

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