Österreicher Vanek klopft an die Tür der NHL
- Im Draft der besten Nachwuchstalente an Nummer 5 gewählt
- Super-Talent wurde von den Buffalo Sabres verpflichtet
Thomas Vanek steht vor dem Sprung in die NHL. Der Steirer wurde am Samstag beim Entry-Draft der National-Hockey- League in Nashville so früh wie noch kein Österreicher zuvor gewählt worden. Die Rechte für das rot-weiß-rote Supertalent haben nun die Buffalo Sabres. Ein Top-10-Draft war im Vorfeld für wahrscheinlich gehalten worden, mit den Top-5 wurden die Erwartungen klar übertroffen.
In dem seit 1963 durchgeführten Draft erwerben die 30 Klubs der NHL die Rechte an den besten Talenten. Eine NHL-Karriere scheint für Vanek somit in unmittelbare Reichweite gerückt zu sein. Auch wenn ein Draft noch keinesfalls mit einem fixen NHL-Vertrag gleichgesetzt werden darf.
Gleich in die NHL oder wieder College
Nun gibt es verschiedene Varianten, wie es mit Österreichs heißester Eishockey-Aktie weiter gehen könnte. Eventuell bieten die Sabres dem Stürmer gleich einen Profivertrag an, ein weiteres Jahr auf der Universität von Minnesota mit weniger Partien, dafür mehr Trainingseinheiten ist ebenfalls möglich. In der vergangenen Saison hatte Buffalo als Schlusslicht der Northeast-Division klar das Playoff der NHL verpasst.
Ein Mann für die Zukunft
Vanek ist ein Eishockey-"Talent", wie es im Buche steht und das wohl überall gerne gesehen wäre. Schnelligkeit und Sicherheit am Puck sowie der unbedingte Zug zum Tor haben ihn zu einem Stammgast in den Notizbüchern der NHL-Scouts und seit frühester Jugend zu einem Schrecken aller Goalies gemacht. Für die Experten der Eishockey-Zunft steht fest: dieser Mann hat das Zeug für die NHL. Sollte es Vanek wirklich bis dorthin schaffen, wäre er erst der zweite Österreicher nach Reinhard Divis (drei Spiele für St. Louis) auf NHL-Eis.
Greg Holst sei Dank!
Dass Thomas, eigentlich halb Tscheche (Vater Zdenek) und halb Slowake (Mutter Jarmila), für Österreich Eishockey-Werbung macht, ist zu einem nicht unwesentlichen Teil Greg Holst zu verdanken. Gerade als der slowakische Verband 2001 so richtig die Fühler Richtung Vanek ausstrecken wollte, berief ihn Nachwuchs-Teamchef Holst in der Kader für die U20-B-WM 2001 in Österreich und sicherte somit dem ÖEHV das "Jungjuwel", dessen Eltern 1982 nach Österreich gekommen waren.
Bei der nächsten WM im Austro-Dress
Obwohl damals erst 17 Jahre jung, avancierte Vanek zum besten Stürmer des Turniers, ehe er ein Jahr später noch einen drauflegte und mit Österreich als Torschützenkönig (neun Tore in fünf Spielen) den Sprung in die U20-A-Gruppe schaffte. Im A-Team mussten die rot-weiß-roten Fans 2003 bei der WM in Finnland auf Vanek verzichten, da entscheidende Prüfungen auf der University of Minnesota anstanden. Bei der kommenden Endrunde 2004 in Tschechien soll Vanek aber dann mit von der ÖEHV-Partie sein.
Auf den Spuren Wayne Gretzkys
Begonnen hat der steile Vanek-Aufstieg so wie die Karrieren von NHL-Giganten Marke Wayne Gretzky, nämlich beim Pee-Wee-Turnier in Quebec, dem größten Nachwuchsturnier der Welt. Beim "Pee-Wee" 1998 schoss sich Vanek mit 21 Toren in 14 Partien als erster Österreicher ins All-Star-Team, worauf sich einige kanadische Zeitungsblätter bei Vanek an den jungen Mario Lemieux erinnert fühlten.
Würdiger MVP der Liga
Die Tür nach Amerika war damit offen, Vanek begann 1998/1999 bei den Lacoka Wolves in der AAA-Liga Kanadas (76 Tore, 36 Assists in 40 Spielen), wechselte dann 1999 zu den Rochester Americans und im Dezember 1999 schließlich in die höchste Junioren-Liga (USHL) zu den Sioux Fallas Stampede. 2001/2002 schoss sich der Steirer dort mit 46 Volltreffern und 91 Scorer-Punkten (jeweils Vereinsrekord) in die Klub-Geschichtsbücher, wurde zudem zum "MVP" des All-Star-Games gewählt und stand schließlich vor einer beneidenswerten Qual der Wahl.
Mehrere Unis wollten den Österreicher, Vanek entschied sich schließlich für Minnesota und die dortigen "Golden Gophers". Als "freshman", Student im ersten Jahr, machte sich Vanek gleich zum College-Superstar, indem er im Halbfinale und Finale jeweils die Entscheidungstreffer für die siegreiche Minnesota-University erzielte.
Ehrungen über Ehrungen
Der Traditionsbruch der Uni, die mit Vanek erstmals in ihrer Geschichte einen Europäer verpflichtet hatte, zahlte sich also mehr als aus - am Ende der Saison standen nämlich neben dem Uni-Titel noch 31 Tore, 31 Assists sowie die Ehrungen "Most outstanding Player" des Finalturniers sowie "Rookie of the year" auf der prall gefüllten Vanek-Visitenkarte. An die jährlichen Studienkosten von 33.000 Dollar braucht Vanek auf jeden Fall keinen Gedanken verschwenden, die bezahlt nämlich die Uni selbst. (apa/red)
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