Montag, 16. Juni 2003

Foe hätte kurz vor Kollaps ausgewechselt werden sollen

  • Kameruns Trainer Schäfer: "Marc wollte weiterspielen"
  • Reaktionen auf den tragischen Tod Marc-Vivien Foes (Kasten)

Marc-Vivien Foe, der am Donnerstag beim Confederations-Cups-Spiel Kamerun gegen Kolumbien in Frankreich auf dem Spielfeld bewusstlos zusammengebrochen und bald darauf gestorben war, sollte kurz vor seinem tödlichen Kollaps ausgetauscht werden. Foe hatte dies aber abgelehnt. Das sagte Kameruns Teamchef Winfried Schäfer gegenüber der englischen Tageszeitung "The Guardian". Die Reaktionen auf Foes tragischen Tod sind von Trauer und Bestürzung gezeichnet (siehe Kasten).

"Sowohl ich als auch unser Teamarzt hatten den Eindruck, dass seine Energie nachgelassen hatte und er langsamer geworden war. Deshalb haben wir ihm signalisiert, dass wir ihn austauschen wollen, doch Marc hat dies abgelehnt. Er sagte, er fühle sich okay und wollte weiterspielen. Einige Minuten später ist er dann zusammen gebrochen", wird Schäfer in der Samstag-Ausgabe dieses Blattes zitiert.

Kameruns Spielern wurde inzwischen vom Internationalen Verband (FIFA) die Erlaubnis erteilt, zum Gedenken an Foe im Endspiel am Sonntag gegen Frankreich Dressen mit dem Namen ihres früheren Mitspielers zu tragen. In Lyon werden die französischen Klubs Lyon und Lens, für die der vielfache Teamspieler aus Kamerun früher gekickt hatte, kommende Woche eine Gedenkmesse abhalten.

Aneurysma-Riss?
Nach Angaben eines FIFA-Sprechers hörte Foes Herz zu schlagen auf, nachdem er zunächst noch auf dem Rasen minutenlang medizinisch versorgt und anschließend vom Spielfeld getragen worden war. Danach versuchten Mediziner 45 Minute lang erfolglos, den Mittelfeldspieler zu reanimieren.

Der Teamarzt der französischen Nationalmannschaft, Jean-Marcel Ferret, vermutet, dass Foe einer geplatzten Arterienerweiterung erlegen sein könnte. "Die Informationen, die ich erhalten habe, deuten auf einen Aneurysma-Riss hin", erklärte Ferret.

Bei Aneurysma handelt es sich um die "Aussackung" einer Arterie. Besonders häufig und gefährlich sind Aneurysmen der größten Arterie des Körpers, der Hauptschlagader. Ab einer gewissen Größe droht ein Aneurysma zu platzen.

Unglaubliche Tragödie
"Das ist ein sehr trauriger Tag für den Fußball, die FIFA und die Angehörigen des Spielers", erklärte ein Sprecher der FIFA, der eine genau Obduktion ankündigte. Noch nie in der Geschichte des Weltverbandes sei ein Fußballer während eines offiziellen FIFA-Spiels gestorben, sagte der Sprecher. FIFA-Boss Blatter erklärte: "Die gesamte Fußball-Familie ist über diese unglaubliche Tragödie schockiert. Ich möchte seinen Angehörigen, dem Fußball Kameruns und seinem Verein unser aufrichtiges Beileid ausdrücken."

Kamerun wird Finale bestreiten
Kamerun will das Endspiel gegen Frankreich am Sonntag "in Gedenken an Marc-Vivien Foe" bestreiten. Nach dem Tod des afrikanischen Fußball-Stars hätten sich alle Spieler und die Führung zusammengesetzt und entschieden, doch zu spielen, sagte Roger Milla, legendärer Spieler Kameruns, am Freitag.

"Uns geht es allen sehr schlecht. Er war unser kleiner Bruder, und er fehlt uns enorm." Kamerun hatte sich gegen Kolumbien mit 1:0 durchgesetzt und trifft im Finale auf Frankreich, das sich im zweiten Semifinale mit 3:2 gegen die Türkei durchsetzte.

Foe spielte 64 Mal für Kamerun, gewann mit den "Löwen" 2000 und 2002 den Afrika-Cup und nahm 1994 und 2002 an der WM-Endrunde teil. Der Mittelfeldspieler kam 1994 zum RC Lens, wo er 1998 den französischen Meistertitel holte. Nach einem nur einige Monate währenden Gastspiel bei West Ham kam er 2000 zu Olympique Lyon und holte ein Jahr später den Cup sowie im Vorjahr wieder den Titel, ehe er für ein Jahr leihweise zum Premier-League-Klub Manchester City wechselte.

(apa/red)

16.6.2003 14:08