Benes-Dekrete: Versöhnliche Töne aus Prag
- Regierung: "Aus heutiger Sicht unannehmbar"!
- Außerdem: Tschechen planen "humanitäre Geste" für Vertriebene
Die tschechische Regierung hat die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Erklärung als "aus der heutigen Sicht unannehmbar" bezeichnet. Die damaligen Ereignisse und Taten könnten zwar nicht ungeschehen gemacht werden, man hoffe aber, dass sie das Zusammenleben der Völker nicht weiter belasten würden.
Die Erklärung ist in eine Stellungnahme zum Referendum über den EU-Eintritt eingebettet, in dem 77,3 Prozent für eine Mitgliedschaft gestimmt hatten. Die Prager Regierung unterstrich, sie sehe den EU-Beitritt als einen "Höhepunkt der Versöhnung" im Geiste der deutsch-tschechischen Versöhnungserklärung von 1997.
Der Zweite Weltkrieg habe Dutzende Millionen Opfer gefordert. In der unmittelbaren Nachkriegszeit sei es dann zu "einer Reihe menschlicher Tragödien, Leiden und Opfer" gekommen.
Die Regierungserklärung knüpft an eine Stellungnahme von Präsident Klaus an, der im März die Vertreibung ebenfalls "aus heutiger Sicht unannehmbar" genannt hatte. Der stellvertretende tschechische Regierungschef Mares sprach sich am Donnerstag erneut für eine "humanitäre Geste" an Mitglieder der deutschen Minderheit in Tschechien aus.
Ausgestreckte Hand
Der SPÖ-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Swoboda meinte, Österreich müsse die ausgestreckte Hand ergreifen und das Verhältnis zu unserem Nachbarland spürbar besser gestalten." Die FPÖ-Europaabgeordnete, Raschhofer, sah in der Erklärung hingegen "nicht die große moralische Geste", auf die Österreich gewartet habe. Die deutsche Regierung begrüßte die Prager Erklärung.
Entrechtung und Massaker
Die Tschechoslowakei hatte nach dem Zweiten Weltkrieg als Reaktion auf die nationalsozialistische Besetzung auf Grundlage der Dekrete des damaligen Präsidenten Benes etwa drei Millionen Sudetendeutsche entrechtet, enteignet, ihnen die Staatsbürgerschaft entzogen und sie vertrieben. Dabei war es auch zu Massakern gekommen. (apa)
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