Sonntag, 15. Juni 2003

Steuerfahnder nehmen Internethändler ins Visier

  • Vom Hobbyhändler ungeahnt zum Profi
  • Internet ist nicht so anonym, wie man glaubt

Die Angst geht derzeit bei vielen Onlinehändler um, denn die Steuerfahndung ermittelt wegen eventuellen Steuerhinterziehungen. Professionelle Händler erzielen Monat für Monat Gewinne, zahlen dem Fiskus aber keinen Cent. Doch nicht jedes eBay-Mitglied muss die Düsseldorfer Steuerfahndung fürchten.

"Uns fangen die Dinge an zu interessieren, wenn jemand dort handelt, um nachhaltig Gewinne zu erzielen", sagt Martin Fliedner von der Oberfinanzdirektion Düsseldorf. Unter anderem gehe es um Händler, die vom Trödelmarkt auf das Internet umgeschwenkt seien, um unerkannt im großen Stil zu verkaufen.

eBay als Paradebeispiel
Allein wegen der Größe des Marktplatzes ist eBay attraktiv für Händler: 2002 wurden weltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp 15 Milliarden US-Dollar (12,6 Mrd. Euro) umgeschlagen. Gleich hinter den USA ist Deutschland nach Angaben von eBay-Sprecher Joachim Guentert der erfolgreichste aller 27 internationalen Marktplätze des Unternehmens.

Vom Hobbyhändler zum Profi
Manch ein Hobbyhändler ist bei eBay ungeplant zum Profi geworden. Fällig werden die Umsatz- oder Gewerbesteuer, wenn regelmäßig und mit Absicht auf "Gewinnerzielung" gehandelt wird. Bei der einmaligen Entrümplung eines Kellers - und seien es auch etliche Teile - gilt der Verkäufer aber nicht gleich als Gewerbetreibender. Die Kundenbewertungen oder der wiederholte Verkauf von "Neuware" deuten auf möglicherweise gewerblichen Handel hin. Die Rubrik "Andere Artikel des Verkäufers" kann Aufschluss über Profis geben, die mit verschiedenen Namen ihre Geschäfte tarnen wollen.

Die Strafen für Steuerhinterziehung reichen von Geldbußen bis zu Bewährungs- und Gefängnisstrafen. Steuerberater Jasper rät, Einnahmen aus wiederholten eBay-Geschäften möglichst schnell beim Finanzamt zu melden, denn: "Das Internet ist nicht so anonym, wie man glaubt." (apa/red)

15.6.2003 12:35