Milliardär Dietrich Mateschitz sammelt Flugzeuge!
- PLUS: Die Luftflotte von Mister Red Bull!
Dietrich Mateschitz, Erfinder des erfolgreichsten Energydrinks der Welt und laut "Forbes" Österreichs einziger Dollarmilliardär, sammelt historische Flugzeuge wie andere Bierdeckel. Glanzstücke der extravaganten Kollektion: vier Kampfjets vom Typ Fairchild Dornier Alpha, die der betuchte Nachkriegsnutzer für schlanke 20 Millionen Dollar von einer Verwertungsgesellschaft für deutsches Bundesvermögen ersteigerte und demilitarisierte - als Schnäppchen für den rasanten Ausflug zwischendurch sozusagen...
1,15 Milliarden Euro, so die vorsichtige Schätzung von Brancheninsidern, hat Mateschitz mit seinem Koffeindrink im Vorjahr weltweit umgesetzt, vor Steuern satte 300 Millionen Euro eingenommen. Und das alles, um jetzt die Gewinne in Kerosin zu pumpen, das als Kondensstreifen sinnlos am Horizont verpufft? Wohl kaum.
Jets werden verchartert
Wie alle steinreichen Menschen will nämlich auch der Überflieger vor allem eines: sein Vermögen beisammenhalten. Und so muß selbst das kostenintensivste Spielzeug unterm Strich zumindest zu einem Nullsummenspiel taugen: Die Douglas DC-6B, der fliegende Luxuszug, soll schon demnächst für Kreuzfahrten zweitausend Meter über dem Meeresspiegel genützt werden - Salzburg-Schanghai in vierzehn Tagen, Kairo-Luxor in einem Tag, bald buchbar für Mitglieder eines eigenen Reiseklubs. Die Jets wiederum können für Filmdrehs und Werbespots gechartert, die gesamte Oldtimersammlung ab Ende August in einem futuristischen Themenpark aus Glas, Stein und Stahl bestaunt werden.
Suche nach dem Kick
Mateschitz' unentwegte Suche nach dem Kick des Aufstiegs, verbunden mit der Kunst, nicht abzustürzen, und dem Wohlgefühl, einen Erfolg zu landen: Fliegen als Metapher für das Leben als Wirtschaftsabenteurer. "Fliegen ist manchmal spannend, manchmal anstrengend, aber eigentlich immer wunderschön", resümiert der Captain.
"Als Bub", sinniert der Flugzeugsammler, "habe ich noch Modellflieger steigen lassen - und lange den Vögeln nachgeschaut."
Ikarus-Phänomen
Ikarus-Phänomen nennen das die Psychologen und meinen Pioniergeist und Wagemut. Doch derartig hochtrabende mythologische Vergleiche verbittet sich Österreichs reichster Pilot strikt. Bestenfalls als verbürgerlichter Ikarus könnte er vielleicht noch durchgehen - einer mit Feuerlöscher, Fallschirm und Schleudersitz. "Mir ist es nie um die Höhe und um die Geschwindigkeit gegangen", sagt Mateschitz, "denn Fliegen darf niemals Distanzvernichtung sein." Im Gegenteil: Fliegen, das bedeutet für den Mann, der sich unten alles und jeden kaufen kann, den Luxus, das Gesicht der Erde von oben zu betrachten - ganz und unverfälscht. Und das geht nun einmal nicht, wenn die vorbeirasende Landschaft zum Farbenbrei verschwimmt. "Durch die Räumlichkeit und die Perspektiven aus dem Cockpit kann man neue Lebenszusammenhänge erkennen."
Doch das passiert, der Wahrheit die Ehre, selbst am Red-Bull-Trip eher selten. In erster Linie entdecke man aus der Vogelperspektive nämlich neue Mountainbikestrecken. Weshalb Mateschitz für den Alltagsgebrauch auch die Alpha-Kampfjets ebenso in der Salzburger Homebase belässt wie seine Chance Vought F4U-4 Corsair. Simpler Grund - hinter der pompösen Chiffre steckt schlicht und einfach zu viel Temperament. "Ein legendärer amerikanischer Jäger, ein Motor mit Flügeln, der Inbegriff der Kraft." Der im luftigen Leben des 59-jährigen Mateschitz heute fast nur noch dem passiven Sammlerglück dient.
Zur fundierten Weltbetrachtung eignet sich viel eher die North American B-25 J Mitchell, deren gläserne Nase in 20.000 Stunden zur Komfortkapsel ausgebaut wurde. Mateschitz: "Die Maschine mit dem bequemsten Einzelsitz, den man sich vorstellen kann, die einzige, in der ich mich gern chauffieren lasse."
Liebling: Gelbe Piper Supercup
Und dennoch: Den größten Auftrieb verleiht dem roten Bullen nach wie vor sein hässlichstes Entlein. Das allererste Flugzeug, eine fünfzig Jahre alte Piper Supercup, gelb wie ein Postbus und fett wie ein prall gefüllter Briefkasten. Aufgemotzt bringt es der klobige Vogel auf gerade einmal 150 PS, um exakt 30 weniger als ein VW Golf GTI 1,8 5V Turbo. Bei Heimweh und Rückenwind macht er kaum mehr als 160 Stundenkilometer. "Meine Piper ist das unspektakulärste, langsamste Flugzeug, das man sich vorstellen kann - mein sentimentaler Liebling", versichert Mateschitz.
Homebase als Themenpark
Hangar 7 nennt sich die futuristische Glas-Stahl-Konstruktion, die als neue Heimstätte für die Mateschitz-Flotte konzipiert ist und direkt an den Salzburger Airport anschließt. Das Zentrum des Themenparks - der am 22. August eröffnet wird und auch als Außenstelle der Salzburger Festspiele dient - bilden zwei Zwillingszylinder, die zwei Bars und ein Toprestaurant beherbergen. Küchenchef: Eckart Witzigmann.
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