In Österreich: Schwarzarbeit bleibt Kavaliersdelikt
- "Pfusch" wächst doppelt so stark wie offizielle Wirtschaft
- 16 Prozent der Österreicher verdienen "schwarz" dazu
Pfusch wird in Österreich immer mehr als Kavaliersdelikt empfunden und wächst doppelt so stark wie die offizielle Wirtschaft. Heuer wird die Schwarzarbeit um 3,2 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro steigen, prognostiziert der Volkswirt der Linzer Kepler Universität, Friedrich Schneider, in seiner jüngsten Studie zur Schattenwirtschaft in Österreich, die am Dienstag vorgestellt wurde.
Dem Finanzminister und dem Sozialminister werden heuer durch den Pfusch rund 4,5 Milliarden Euro entgehen, so Schneider. Allerdings dürfe man aber nicht vergessen, dass zwei Drittel dieser Summe wieder in die Wirtschaft fließen, denn "gepfuscht wird nicht fürs Sparbüchl". Als Hauptgründe für das starke Anwachsen der Schwarzarbeit nannte Schneider die deutlich gestiegenen Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben.
Höchster "Pfusch"-Anteil im Baugewerbe
Nach Sektoren wird am meisten im Baugewerbe mit einem Anteil von 35 Prozent oder knapp acht Milliarden Euro gepfuscht, gefolgt vom Tourismus mit 22 Prozent und haushaltsnahen Bereichen (Reinigung, Garten und Nachhilfestunden) mit 16 Prozent.
Im Detail haben laut Studie 18 Prozent der Österreicher in den vergangenen zwölf Monaten einen Pfuscher beschäftigt. 16 Prozent der Österreicher haben "schwarz" dazuverdient und im Vorjahr 73 Stunden gepfuscht. Nur jeder zehnte Erwachsene meint, man sollte Pfusch strenger bestrafen. Beim Unrechtsbewusstsein rangiert Schwarzarbeit etwa auf der gleichen Stufe wie "Schule schwänzen oder unbezahltes Mitnehmen von Zeitungen aus dem Zeitungsständer".
Als Maßnahme gegen die Schwarzarbeit empfiehlt Schneider effizientere Kontrolle und damit verbunden eine bessere Vernetzung von Gewerbebehörde, Sozialversicherung, Finanz- und Kriminalbehörde sowie Bauarbeiter-, Urlaubs- und Abfertigungskasse. Außerdem schlägt Schneider die Einführung einer "Schattenwirtschaftspauschale" vor, wonach Pfuscher eine 20-prozentige Pauschalversteuerung leisten müssten, wenn diese bis zu 300 Euro pro Monat dazu verdienen.
(APA)
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