Freitag, 13. Juni 2003

Gluthitze in der Sahara! Noch keine Spur von Geiseln!

  • Vor einem Monat wurden die Österreicher befreit

17 europäische Wüstenurlauber - darunter 10 Österreicher - konnten vor einem Monat befreit werden. 15 weitere Geiseln haben dagegen weniger Glück. Nach wie vor wird nach ihnen fieberhaft gesucht, Versuche, die Menschen aus der Gefangenschaft zu befreien, scheiterten bisher. Seither herrscht Funkstille aus Algerien. Im "Backofen" der nordafrikanischen Sahara harren die zehn Deutsche, vier Schweizer sowie ein Niederländer bei bis zu 50° C weiterhin ihrer Befreiung.

Kaum jemand weiß Genaues - und wer etwas dazu sagen könnte, ob in Algier, Berlin oder Bern, der schweigt sich aus. Über der algerischen Sahara, dort, wo die 15 vermutet werden, liegt unterdessen eine Gluthitze. Die Temperaturen klettern tagsüber auf - ebenfalls unerträgliche - 40 bis 50 Grad.

Funkstille nach gescheitertem Befreiungsversuch
Rund um die Aktion von Mitte Mai blühten noch die Spekulationen. Fünf Tage später hieß es fälschlicherweise, Fallschirmspringer hätten einen zweiten Schlag gegen die Entführer geführt, die Geiseln seien frei. Am Abend folgte das nüchterne Dementi des Generalstabs in der Hauptstadt Algier. Seitdem herrscht eine weitgehende Funkstille, die wenig Hoffnung aufkeimen lässt. Als "sehr schwierig" wird die Lage in Algier vor allem deshalb eingeschätzt, weil die 15 in mehrere Gruppen aufgeteilt worden sein sollen. Das macht eine neuerliche gewaltsame Aktion wie Mitte Mai wohl nur noch riskanter. Zumal es diesmal kein Überraschungscoup in der schroffen Bergregion von Tamelrik mehr wäre.

Er wisse nur, dass nichts voran gehe, sagt der Augsburger Andreas Mitko, dessen Vater mit seiner Freundin und einem weiteren Ehepaar noch als Geiseln gehalten werden. Zwar könne sich jede Minute etwas ändern. Im Augenblick sieht auch Mitko jedoch keine Bewegung in der Sache.

Kritik, weil befreite Geiseln plauderten
Nach der ersten Befreiungsaktion hatte es Kritik und Warnungen gegeben, weil ehemalige Verschleppte plauderten. Auch einige österreichische Ex-Geiseln waren gegenüber den Medien sehr auskunftsfreudig. In Deutschland wurden dadurch Informationen bekannt, die die Lage der noch Entführten schwerer gemacht haben könnten. Eine ehemalige österreichische Geisel wandte sich über Radio France Internationale an die Entführer mit der Bitte, die 15 jetzt freizulassen. Doch auch das ist schon wieder Wochen her.

Das verheerende Erdbeben vom 21. Mai im algerischen Norden hatte das Geiseldrama für eine Woche aus den Medien verdrängt und den Blick auf eingestürzte Wohnblocks, in heillose Panik versetzte Menschen und die nahezu 2.300 Todesopfer gelenkt. Dann wurden die ungeduldigen Fragen zum Schicksal der 15 wieder lauter. Präsident Abdelaziz Bouteflika versprach in Straßburg, alles für die Geiseln zu tun: "Sollten sie die Geiseln frei lassen, wären wir sogar bereit, die Entführer laufen zu lassen." Doch sein Außenminister Abdelaziz Belkhadem bekräftigte, es gebe keinerlei Verhandlungen. Was wollen die Entführer überhaupt? (apa/ red.)

13.6.2003 14:32