Mittwoch, 11. Juni 2003

Sharon hält an "gezielten Tötungen" fest

  • Israel wird Kampf gegen militante Palästinenser nicht einstellen
  • Räumung der Vorposten jüdischer Siedler unterbrochen

Der israelische Regierungschef Ariel Sharon ist entschlossen, die internationale Kritik an dem Raketenangriff auf den führenden Hamas-Funktionär Abdelaziz Rantisi in Gaza zu ignorieren. Israel werde "die Köpfe extremistischer Terrororganisationen" weiterhin bekämpfen, erklärte der Premier am Mittwoch. US-Präsident George W. Bush hatte die Israelis vor weiteren "gezielten Tötungen" gewarnt.

Die Tageszeitung "Yediot Aharonot" zitierte Sharon mit den Worten, er werde nicht warten, bis Abbas ein Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas geschlossen habe. Den USA sei stets klar gewesen, dass Israel seinen Kampf gegen militante Palästinenser nicht einstellen werde. Israelische Medien kritisierten den missglückten Tötungsversuch einhellig.

Mit der Zustimmung zum Friedens-Fahrplan des Nahost-"Quartetts" USA, UNO, EU, Russland hatte Israel die Verpflichtung übernommen, die menschen- und völkerrechtswidrige Praxis "gezielter Tötungen" aufzugeben. Dutzende israelischer Demonstranten, darunter Mitglieder der Luftwaffe, haben am Mittwoch vor dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Tel Aviv gegen die Tötung palästinensischer Frauen und Kinder bei Militäroperationen in den besetzten Gebieten protestiert. Bei dem Raketenangriff auf Rantisi am Vortag waren im Zentrum der Stadt Gaza drei Palästinenser getötet worden, darunter auch eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, rund 60 Personen wurden verletzt.

Gefährdung für den Friedens-Fahrplan
UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte Israel auf, "die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt" zu unterlassen. Das britische Außenministerium erklärte, der Angriff auf Rantisi gefährde den internationalen Friedens-Fahrplan.

Die israelische Armee hat die Räumung so genannter Vorposten jüdischer Siedler in den besetzten Gebieten unterbrochen. Wie der israelische Militärrundfunk am Mittwoch meldete, soll eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes abgewartet werden, der von Siedlern angerufen worden ist. (apa)

11.6.2003 16:05