Montag, 9. Juni 2003

Möllemann-Familie verlangt Rechenschaft

  • Keine Hinweise auf Manipulation des Fallschirmsystems
  • PLUS: Chronologie der letzten Stunden Möllemanns (Kasten)!

Die Familie des bei einem Fallschirm-Absturz ums Leben gekommenen früheren FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann hat in Todesanzeigen bittere Fragen aufgeworfen. Die Anzeigen erschienen in deutschen Zeitungen. "Werden uns diejenigen Rechenschaft geben, die auf niederträchtige Weise versucht haben, sowohl den Menschen Jürgen Möllemann wie auch sein politisches Lebenswerk zu zerstören, für das er mehr als 30 Jahre leidenschaftlich mit Herz und Seele gekämpft hat?" schreiben Möllemann-Witwe Carola Möllemann-Appelhoff und die drei Töchter Maike, Esther und Anja.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Carola Möllemann-Appelhoff am Pfingstwochenende die Beileidsbriefe des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle, des FDP-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gerhardt, der FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper sowie des nordrhein-westfälischen FDP-Landesvorstandes ungeöffnet hatte zurückgehen lassen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bedauerte in einer Kondolenzanzeige den Verlust "eines engagierten und markanten Politikers, der mit seinem politischen Naturtalent viel bewegt und geleistet" habe. Weitere Todesanzeigen veröffentlichten der FDP-Bundesvorstand sowie die Deutsch-Arabische Gesellschaft, deren langjähriger Vorsitzender Möllemann gewesen war.

Schon am Pfingstwochenende war eine Debatte über eine mögliche Mitverantwortung der FDP-Spitze an Möllemanns Tod entbrannt. Pieper hatte jedoch Vorwürfe zurückgewiesen, ihre Partei habe eine Hetzjagd auf Möllemann betrieben.

Fallschirm war nicht manipuliert
Die Untersuchungen zum tödlichen Fallschirmabsturz des früheren FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann haben weiterhin keine Hinweise auf einen Unfall oder auf eine Manipulation des Fallschirms erbracht. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig habe bei einer Überprüfung des gesamten Fallschirm- und Rettungssystems Möllemanns keine neuen Hinweise gefunden, sagte der stellvertretende Behördenleiter, Jörg Schöneberg, am heutigen Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben keine neuen Erkenntnisse als die der Staatsanwaltschaft." Die Essener Staatsanwaltschaft hatte bereits am Freitag erklärt, es gebe keine Anzeichen für technisches Versagen oder eine Manipulation des Fallschirms. (APA/Red.)

9.6.2003 13:43