"Bagdad-Blogger" schreibt für den "Guardian"
- Berichtet über das Chaos unter amerikanischer Besatzung
- FORMAT führte weltweit erstes Interview mit Star-Blogger
Einen prominenten Kolumnisten konnte sich die britische Zeitung "The Guardian" sichern. Der "Bagdad-Blogger" wird als Verfasser seines Internet-Tagebuchs aus dem Irak alle zwei Wochen einen Beitrag für das Blatt schreiben. Ein "Guardian"-Reporter habe mit dem Autor, der sich im Internet nur Salam Pax nennt, in einem Vorort von Bagdad Kontakt aufgenommen, berichtete die Zeitung. Der "Guardian" ist aber nicht die erste Zeitschrift, die mit dem Star-Blogger in Kontakt getreten ist. Schon Wochen zuvor führte "Format" das weltweit erste Interview mit Salam Pax.
Mit seinen Berichten über den Irak-Konflikt ist Salam Pax in der Internet-Szene berühmt geworden. Vor dem Krieg zog er ironisch über das Regime von Saddam Hussein her und bezeichnete die irakischen Funktionäre als Freaks. Wenig Glauben schenkte er aber auch den Beteuerungen der US-Regierung, dass es ihr nur um die Befreiung des Irak gehe. "Da sind keine jubelnden Massen, die die Amerikaner begrüßen, und sie ergeben sich auch nicht zu Tausenden", schrieb Salam Pax im März. "Die Menschen sitzen zu Hause und hoffen, dass sie keine Bombe trifft."
Alltägliches Chaos in Bagdad
Während des Krieges wurde sein Blog (Web-Log, Web-Tagebuch) nicht mehr aktualisiert, weil er keine Verbindung mehr erhielt. Erst jetzt können die Beiträge online gelesen werden. Auf seiner Web-Site berichtet er weiter über das alltägliche Chaos unter der US-Besatzung in der irakischen Hauptstadt.
"Format" gelang weltweit erstes Interview
Viele versuchten Kontakt mit dem Blogger aus Bagdad aufzunehmen - gelungen ist das als Erstem der Zeitschrift "Format". Dieses in der Ausgabe "Nr. 20/03" nachzulesende Interview räumte mit Ungereimtheiten bezüglich seiner Person auf und zeichnete ein klares Bild von den Verhältnissen im Nachkriegs-Irak.
Lange Zeit wurde sein Tagebuch für einen Fake gehalten. Kurz vor Kriegsbeginn tauchten gar Gerüchte auf, daß Salam Pax - je nach Lesart - wahlweise für die CIA oder für den irakischen Geheimdienst arbeite.
Der Blogger aus Bagdad stellte diese Vermutungen richtig: "Das Ganze war gefährlich und ich hatte einfach Glück. Ich weiß von anderen irakischen Internettagebüchern, die vom Netz genommen bzw. blockiert wurden. Mein Glück war, daß sich im Irak anscheinend wirklich niemand, weder das Regime noch sonst jemand, ernsthaft darum kümmerte, was mich sehr überraschte. Andererseits: Es gibt nicht viele Iraker, die Zugang zum Internet haben und in meinem Land hat die Geschichte ja kaum einer mitbekommen. Außerdem schrieb ich auf Englisch - wenn ich auf Arabisch geschrieben hätte, wäre es wahrscheinlich leichter herauszufinden gewesen, wer ich bin."
Blogger lebte einige Jahre in Wien
In Irak haben nur sein Bruder und sein Freund Raed, der kurz vor dem Krieg nach Bagdad zurückgekehrt ist, von seiner Identität gewusst, so Salam. Im Ausland nur ein paar Freunde aus Österreich, wo er eine Zeit lang studiert hatte, und den USA, so der Iraki weiter.
Sogar die eigene Familie wusste nichts von der steigenden Popularität des 29-jährigen Architekten: "Das mit den Eltern war eine eher schwierige Geschichte... Noch während des Kriegs machte das arabische Nachrichtenprogramm der BBC eine Geschichte über mein virtuelles Tagebuch. Zufällig hörte mein Vater im ersten Stock unseres Hauses die Story im Radio. Daraufhin kam er die Treppe runter und erzählte mir diese seltsame Geschichte von diesem mysteriösen Internetblogger, der die Welt aus Bagdad mit Nachrichten versorgt. In diesem Moment versuchte ich die Fassung zu wahren, aber in Wirklichkeit dachte ich, ich muß sterben..."
Das ganze Interview können Sie in der Ausgabe Nr. 20/03 der Zeitschrift FORMAT nachlesen
Weitere Informationen:
