Freitag, 6. Juni 2003

Alitalia-Krise: Fronten haben sich verhärtet

  • Ähnliche Situation wie bei Fiat droht
  • Verkehrsminister drängt auf Kompromisse

Bei den Verhandlungen um die Reduzierung des Alitalia-Flugpersonals sind die Fronten verhärtet: Der Beschluss der italienischen Airline, die Zahl der Stewardessen und Stewards auf inländischen und innereuropäischen Flügen unter zwei Stunden von 4 auf 3 zu senken, ist vorerst bis kommenden Dienstag ausgesetzt. Vize-Verkehrsminister Mario Tassone vermittelt im Streit zwischen Alitalia-Chef Francesco Mengozzi und den Flugbegleitern, die sich diese Woche massenhaft krank gemeldet hatten, um gegen die Sanierungspläne der angeschlagenen Fluggesellschaft zu protestieren.

Tassone schlug vor, dass die Reduzierung des Flugpersonals probeweise sechs Monate lang in Kraft bleibe, erntete dafür aber herbe Kritik seitens der Gewerkschaften. "Die Bilanzen mit Personalabbau in Ordnung zu bringen ist eine Illusion. Man baut die Kosten ab, aber die Fluggesellschaft stirbt", warnte der Chef des Gewerkschaftsverbands UIL, Luigi Angeletti. Mit der Kürzung des Flugpersonals sind 400 Arbeitsplätze gefährdet.

Die Gewerkschaften warnten vor einer Krise bei Alitalia ähnlich der von Fiat, der größten privaten Industriegruppe des Landes. "Die Regierung muss sich aktiv einsetzen, damit die schwierige Lage bei Alitalia nicht zum zweiten Fiat-Fall wird", betonte Gewerkschaftssprecher Guido Abbadessa.

Verkehrsminister Pietro Lunardi drängte die Verhandlungspartner, einen Kompromiss zu finden. Der Sanierungsplan müsse so rasch wie möglich umgesetzt werden, wolle man Alitalia vor dem Zusammenbruch retten. "Pflicht der Regierung ist, den Plan umzusetzen, von dem Tausende von Arbeitsplätze abhängen", betonte der Minister. Der Sanierungsplan erfordere von allen Opfer, die jedoch unumgänglich seien. "Der Umstrukturierungsplan ist meiner Ansicht nach akzeptabler als die Pleite", mahnte Lunardi.

Laut Alitalia-Geschäftsführer Mengozzi ist die Umsetzung des Sanierungsplans ein schmerzhafter aber unumgänglicher Schritt. "Man kann die Probleme entweder verschieben oder lösen. Ich denke, dass man sie lösen muss", betonte Mengozzi. "Wir müssen die Produktivität des Personals steigern. Jene der Flugbegleiter liegt unter dem europäischen Durchschnitt. Auch die Piloten werden sich anpassen müssen", fügte er hinzu. (apa, red)

6.6.2003 10:24