Neuer Boss: Ein Österreicher übernimmt die Lufthansa
- Wolfgang Mayrhuber löst Jürgen Weber als Top-Airline-Chef ab
- Kometenhafter Aufstieg vom Ingenieur zum Generaldirektor
Ein Österreicher ist der neue Boss bei Lufthansa! Es ist der 56-jährige Wolfgang Mayrhuber (Bild). Er übernimmt das Ruder in schwierigen Zeiten: Billig-Flieger-Konkurrenz, Seuchenpanik und Terror-Angst setzen der Kranich-Flotte zu. Jetzt löst der bisherige Vize seinen Chegf Jürgen Weber als Vorstandsvorsitzenden ab.
Der scheidende Boss blickt mit Zuversicht in die Zukunft: "Lufthansa wird die Krise überstehen, es gibt erste Silberstreifen am Horizont."
Leicht wird es nicht: Die Lufthansa kämpft mit allen Mitteln gegen den drohenden Finanz-Kollaps. Im ersten Quartal 2003 wurde ein Verlust von 415 Millionen Euro eingeflogen. Und das 2. Quartal wird durch die Lungenkrankheit SARS sogar noch stärker belastet. Bisherige Sparprogramme greifen noch nicht. Nun muss der neue Boss hart gegensteuern.
Konzern wird Krise meistern, keine Kündigungen
Wenn sich der Trend der vergangenen Wochen verstärke, werde der Konzern am Jahresende wieder besser dastehen als die meisten Konkurrenten, sagte Weber am Mittwoch vor tausenden Aktionären bei der 50. Hauptversammlung in Köln. "Die Talsohle ist durchschritten, das Fundament der Lufthansa widersteht dem Sturm." Weber bekräftigte, dass es zur Krisenbewältigung keine Kündigungen geben solle. "So etwas passt nicht zu unserer Kultur."
Abschied nach 12 Jahren
Am Mittwoch endete die Ära von Weber (61), der als Vorstandschef die Kranich-Airline zwölf Jahre lang entscheidend geprägt und durch einige Turbulenzen gesteuert hat. Er übergibt das Amt an seinen bisherigen "Copiloten", den Österreicher Wolfgang Mayrhuber.
Von den Aktionären wird der scheidende "Mister Lufthansa", der mit Ablauf der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat wechselt, nicht nur Beifall ernten. Vielen Anteilseignern missfällt die geplante drastische Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge.
"Erste Silberstreife zeigen sich am Horizont"
Das sagte der scheidende Boss. In den USA gehe der Geschäftsreiseverkehr langsam aufwärts. Im Mai seien Erholungstendenzen bei der Zahl der Fluggäste sichtbar geworden. Die Auslastung sei - bis auf das Verkehrsgebiet Asien/Pazifik - sogar verbessert worden. Die Erlösseite habe allerdings noch Nachholbedarf.
Eine Ergebnisprognose gab Weber nicht ab. Dieses Jahr werde aber "nicht gerade eines der besseren der Lufthansa, selbst wenn ein Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte gelingen sollte". Nach 415 Mio. Euro Verlust im ersten Quartal erwartet der Vorstand rote Zahlen für das Gesamtjahr 2003.
Nach Angaben einer Sprecherin hat die Lufthansa konkret festgelegt, wie der Cash-Flow des Konzerns bis 2004 wie geplant um eine Milliarde Euro verbessert werden soll. Halte der derzeitige Trend an, werde die angestrebte Verbesserung durch dieses Vorgehen 2004 erzielt, sagte die Sprecherin am Rande der Hauptversammlung. Sie nannte keine Details. Die Rating-Agentur Moody's hatte zuvor das Langfristrating der Lufthansa gesenkt und dies damit begründet, dass die Fluggesellschaft mittel- und langfristig voraussichtlich weniger Cash-Flow generieren werde.
Unternehmenszukäufe kommen nur in Frage, wenn sie den Wert der Fluggesellschaft dauerhaft steigern. Ziel sei nachhaltiges Wachstum, so Weber. "Investitionen, Akquisitionen und Projekte werden nur dann verfolgt, wenn sie dauerhafte Wertsteigerungsbeiträge für den Konzern versprechen". In den vergangenen Wochen war immer wieder über einen Einstieg der Lufthansa bei der angeschlagenen Schweizer Fluggesellschaft Swiss spekuliert worden. (apa, red)
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