Montag, 2. Juni 2003

Alitalia strich wegen Protesten 110 Flüge

  • Mit Krankmeldungen Streikverbot umgangen
  • Am Dienstag sollen 225 Flüge ausfallen

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia musste am Montag wegen eines Flugbegleiter-Streiks 110 Flüge streichen. Das Personal protestierte gegen den Alitalia-Beschluss, ab dieser Woche die Zahl von Stewardessen und Stewards auf jedem Flug unter zwei Stunden von vier auf drei zu reduzieren. 1.000 der rund 2.000 Flugbegleiter, die am Montag im Einsatz hätten sein sollen, meldeten sich krank.

Am Dienstag müssen sogar 225 Flüge gestrichen werden. Der Schritt wurde mit dem vierstündigen Streik von 12.00 bis 16.00 Uhr begründet, den die Alitalia-Piloten und Flugbegleiter gegen den Sanierungsplan der Airline ausgerufen haben. Auch der Generalstreik in Frankreich (von 6.00 bis 23.00 Uhr) belastet die Alitalia, die ein Partnerschaftsabkommen mit Air France hat. Daher werden am Dienstag 111 inländische und 114 internationale Flüge gestrichen, hieß es in einer Aussendung der Gesellschaft.

Protestaktion seit Samstag
Seit Samstag führen die Flugbegleiter ihre Protestaktion gegen Alitalia, die im Rahmen eines strengen Rationalisierungsplans die Personalkosten senken will. Angesichts der Aktion der Flugbegleiter beschloss Alitalia, auf die umstrittene Sanierungsmaßnahme zu verzichten. Den Reisenden werden Probleme jedoch nicht erspart bleiben, da auch am Dienstag ein vierstündiger Streik des Alitalia-Personals gegen den Rationalisierungsplan des Geschäftsführers Francesco Mengozzi geplant ist.

Am Mittwoch ist ein Treffen zwischen den Gewerkschaften und dem Alitalia-Management im römischen Verkehrsministerium geplant. Die Regierung will im Streit vermitteln. Laut den Gewerkschaften könnten 400 Arbeitsplätze verloren gehen, sollte Alitalia einen Flugbegleiter pro Flug streichen.

Entrüstete Passagiere, darunter viele ratlose Ausländer, warteten am Montag stundenlang in den Hallen der Flughäfen von Mailand und Rom auf Auskunft über ihre Flüge, die wegen des Protests gestrichen werden mussten. "Es ist ein Skandal, dass zu Beginn der Sommersaison Touristen so behandelt werden", protestierten einige Passagiere.

Trotz des Kampfes der Flugbegleiter werden Alitalia starke Rationalisierungsmaßnahmen nicht erspart bleiben. Seit Anfang 2002 verlor die italienische Fluggesellschaft doppelt so viele Passagiere im Vergleich zu den anderen europäischen Airlines. (apa)

2.6.2003 13:27