Montag, 2. Juni 2003

Streiks in Ostdeutschland für 35-Stunden-Woche

  • Insgesamt sollen acht Betriebe bestreikt werden

In Ostdeutschland wird zur Durchsetzung der 35-Stunden-Wochen gestreikt. In der sächsischen Metall- und Elektroindustrie wurden die Arbeitsniederlegungen ausgeweitet. Rund 650 Beschäftigte in fünf Chemnitzer Betrieben legten nach Angaben der IG Metall um 5.00 Uhr die Arbeit nieder. Zum Auftakt des Arbeitskampfes hat IG-Metall-Chef Zwickel die Arbeitgeber zum Einlenken aufgefordert.

"13 Jahre nach der deutschen Einheit brauchen wir weitere Schritte zur Realisierung gleicher Arbeits- und Einkommensbedingungen in ganz Deutschland", sagte Zwickel Montag früh in Zwickau. Dies sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Bereits seit Sonntagabend wird das Chemnitzer Volkswagen-Motorenwerk bestreikt. Insgesamt soll in acht sächsischen Betrieben am ersten Streiktag die Arbeit ruhen, darunter auch VW-Werk in Zwickau/Mosel.

Mit der angestrebten Verkürzung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden in der Woche werde kein Betrieb überfordert, betonte der Gewerkschaftsvorsitzende Zwickel. Er bot erneut an, die 35-Stunden-Woche schrittweise einzuführen. Die IG Metall rechne mit einem Prozess, der über mehrere Jahre laufen werde. Außerdem sei die Gewerkschaft bereit, die unterschiedliche Leistungskraft der Betriebe bei der Arbeitszeitverkürzung zu berücksichtigen.

"In der Praxis könnte das zum Beispiel bedeuten, dass die Arbeitszeiten in den hochproduktiven Automobilfabriken früher verkürzt werden als in einem mittelständischen Metall- und Elektrobetrieb im Erzgebirge", sagte Zwickel. Dieses Konzept entspreche den Forderungen der Arbeitgeber nach mehr Differenzierung in den Tarifverträgen. "Ich verstehe nicht, wieso die Arbeitgeber diese Vorschläge nicht aufgreifen", kritisierte der IG-Metall-Chef. (apa)

2.6.2003 09:22