Donnerstag, 5. Juni 2003

Hinweise auf Selbstmord Möllemanns verdichten sich

  • Genscher glaubt nicht an Freitod; Obduktion abgeschlossen
  • PLUS: Chronologie der letzten Stunden Möllemanns (Kasten)!

Nach dem tödlichen Fallschirmabsturz des früheren FPD-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann verdichten sich die Hinweise auf einen Selbstmord. Die Staatsanwaltschaft Essen berichtete am Freitag, der Fallschirm habe den Untersuchungen der Gutachter zufolge keine Mängel aufgewiesen. Auch für Fremdmanipulation gebe es keine Hinweise. Möllemanns politischer Ziehvater Hans-Dietrich Genscher glaubt allerdings nicht an einen Suizid (siehe Kasten rechts).

Der erfahrene Fallschirmspringer war am Donnerstag beim Sturz aus etwa 1.000 Metern Höhe auf ein Feld ums Leben gekommen, kurz nach Beginn einer Großrazzia in seinen Büros und Wohnräumen. Bei dem tödlichen Sprung stand der 57-jährige Möllemann nach den Ergebnissen der Obduktion nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder Tabletten. Der Untersuchung zufolge schlug der Politiker nach dem Absprung aus 4.000 Meter Höhe ungebremst mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern auf den Boden auf. Dabei seien sein Schädel zertrümmert und lebenswichtige Organe zerstört worden. "Er war sofort tot", sagte der Essener Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke.

Dennoch werde weiter in alle Richtungen ermittelt, betonte Reinicke. So sei noch völlig unklar, warum sich der Reserveschirm nicht geöffnet habe. Die Firma Airtec, die das Sicherheitssystem des Fallschirms hergestellt hatte, betonte laut "Reutlinger General-Anzeiger", ein technisches Versagen sei "äußerst unwahrscheinlich".

Trotz des Todes des früheren FDP-Politikers setzt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Ermittlungen in der FDP-Spendenaffäre fort. Zwar seien die Ermittlungen gegen den Verstorbenen eingestellt. Gegen fünf weitere Beschuldigte werde aber weiterhin ermittelt. Auf der spanischen Insel Gran Canaria wurde am Freitag die Durchsuchung des Ferienhauses von Möllemann fortgesetzt.

(apa)

5.6.2003 13:12