Donnerstag, 5. Juni 2003

Palästinenser-Kabinett kritisiert Hamas-Haltung

Das palästinensische Kabinett hat am Samstag die radikal-islamische Hamas-Bewegung scharf kritisiert. Ihre Absage eines geplanten Gesprächs mit Ministerpräsident Mahmud Abbas über einen Gewaltverzicht könne den Friedensplan ernsthaft gefährden.

Die Hamas hatte erklärt, Abbas habe Israel zu viele Zugeständnisse gemacht und damit die Tür zum Dialog zugeschlagen.

Der palästinensische Außenminister Nabil Shaath warf der Hamas vor, voreilig gehandelt zu haben. Sie habe sich aus den Gesprächen zurückgezogen, bevor Vertreter der Autonomieregierung Gelegenheit gehabt hätten, sie über Ergebnisse der vertraulichen Gespräche beim Nahost-Gipfel in Akaba zu informieren.

Die Hamas versuche offenbar, einen Vorteil aus der Enttäuschung einiger Palästinenser über Abbas' Rede zu ziehen. "Wir können entweder eine freiwillige Waffenruhe erreichen, oder es wird kein Abkommen mit Israel und keine Straßenkarte geben", sagte Shaath. "Unsere Freunde in der Hamas und dem Islamischen Dschihad sollten das einsehen und verantwortlich handeln."

Vertreter der Hamas wollten am Samstagabend Mitglieder der Organisation Islamischer Dschihad treffen, um sie ebenfalls zu einem Abbruch der Gespräche mit Abbas zu bewegen. Sprecher des Islamischen Dschihads sagten, die Organisation habe darüber noch nicht entschieden. Man werde jedoch niemals die Waffen gegen Abbas erheben.

Abbas hatte am Mittwoch beim Treffen mit dem israelischen Regierungschef Sharon und US-Präsident Bush zum Ende des bewaffneten Kampfes gegen Israel aufgerufen. Bei dem geplanten Gespräch am Wochenende wollte er die Hamas dazu bewegen, ihre Anschläge auf Israelis einzustellen. (apa)

5.6.2003 09:51