Mittwoch, 4. Juni 2003

Papst rief auf seiner 100. Reise erneut zum Frieden auf

  • Johannes Paul in Kroatien: "Wunden des Krieges heilen"
  • Papst legte in 25 Jahren über 1,2 Millionen Kilometer zurück

Auf seiner 100. Auslandsreise stattete das Kirchenoberhaupt Kroatien einen Besuch ab. Nach seiner Ankunft rief er erneut zum Frieden auf. In seinem bis dato 25 Jahre dauernden Pontifikat legte der Papst über 1,2 Millionen Kilometer zurück - drei Mal von der Erde zum Mond und zurück.

"Dieses Land trägt wie mehrere Nachbarstaaten noch die leidvollen Zeichen der jüngsten Vergangenheit", sagte der Papst. Viele derjenigen, die zivile oder religiöse Autoritäten seien, würden nicht müde, die Wunden eines grausamen Krieges zu heilen und die Konsequenzen eines totalitären Systems zu korrigieren. "Mögen die politischen und religiösen Führer nicht müde werden, die Wunden dieses grausamen Krieges zu heilen." Dabei gelte es auch, die "Folgen des Totalitarismus" zu überwinden.

Bejubelt von rund 3.000 Gläubigen traf das 83-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche am auf der Insel Krk ein, wo ihn Präsident Stipe Mesic, Regierungschef Ivica Racan und der Erzbischof von Zagreb begrüßten. Im ganzen Land läuteten die Kirchenglocken. Mit einem Katamaran setzte der Pontifex dann zur Hafenstadt Rijeka über, wo er sofort eine politische Botschaft übermittelte: Er hoffe, dass sich das Streben Kroatiens nach der EU-Mitgliedschaft "glücklich" erfüllen werde.

Präsident Mesic dankte dem Papst in seiner Begrüßungsrede für den dritten Besuch in seinem Land. Er verwies auf den Jugoslawien-Krieg, der bis heute zu den ererbten Problemen des Landes gehöre. Kroatien wolle den Weg der Demokratie fortsetzen, für den Aufbau einer gerechten Gesellschaft eintreten und mehr Rechtssicherheit und Sicherheit für die Bürger verwirklichen.

Reisefreudigster Papst aller Zeiten
Theologen im Vatikan betonten, die Papst-Reisen in insgesamt 129 Länder der Erde hätten "das Zusammengehörigkeits-Gefühl der katholischen Weltkirche entscheidend gestärkt". Kritik etwa an den hohen Kosten der Besuche wurde zurückgewiesen. Italienische Journalisten feierten die Pilgerreisen als "historische Wende" in der Kirchengeschichte. Vatikan-Statistiker errechneten, der Papst habe bei seinen Reisen fast 1,2 Millionen Kilometer zurückgelegt - drei Mal die Strecke zum Mond. Dabei habe er 2.399 Reden gehalten. Alles in allem habe er in den fast 25 Jahren seines Pontifikats den Vatikan für 575 Reisetage verlassen. "Es gab kein Jahr des Pontifikats, in dem der Heilige Vater nicht auf Reisen war." Zeitweise war er sogar sechs oder sieben Mal im Jahr unterwegs. (APA/red)

4.6.2003 13:51