Montag, 2. Juni 2003

Demos gegen Armee-Auflösung im Irak

  • US-Zivilverwalter hatte Auflösung am 23. Mai angeordnet

Irakische Soldaten haben am Montag in Bagdad erneut gegen die von der US-Zivilverwaltung angeordnete Auflösung der Armee protestiert. "Mit unserem Blut und unserer Seele werden wir uns für den Irak aufopfern", riefen hunderte Ex-Militärs in Zivil. Die Soldaten benötigten ein Einkommen, sagte ein Ex-General. Jeder von ihnen müsse für mindestens fünf Familienangehörige sorgen.

Der oberste US-Zivilverwalter für den Irak, Bremer, hatte am 23. Mai die Auflösung der etwa 400.000 Mann umfassenden Armee und der Sicherheitsdienste angeordnet. Die neue reguläre Armee werde im Sommer gegründet, sagte ein Verantwortlicher der Besatzungsmächte USA und Großbritannien am Montag. Ihr sollen voraussichtlich 40.000 bis 50.000 Soldaten angehören. Das wäre ein Zehntel der bisherigen Stärke. Bei ihrer Entscheidung seien sich die Besatzungsmächte der negativen wirtschaftlichen Folgen für die entlassenen Soldaten bewusst, sagte der Verantwortliche weiter.

Der gestürzte irakische Machthaber Saddam Hussein soll nach Angaben eines irakischen Wissenschaftlers in den letzten Jahren chemische und biologische Waffen in legitimen Industrieanlagen getarnt haben. In solchen Einrichtungen von dualem Nutzen für zivile und militärische Zwecke hätten sie jederzeit produziert werden können, berichtete der Forscher der "Washington Post" vom Montag zufolge.

Die USA und Großbritannien stehen fast zwei Monate nach dem Irak- Krieg wegen des offiziell genannten Kriegsgrundes der irakischen Massenvernichtungswaffen im Kreuzfeuer der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Gefährdung durch diese Waffen dramatisiert.

Der neue UN-Sonderbeauftragte für Irak, Sergio Vieira de Mello, soll am Montag in Bagdad zu einer viermonatigen Mission eintreffen. Der brasilianische Diplomat soll vor Ort die gerade wieder aufgenommene humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen koordinieren. (apa)

2.6.2003 15:13