Mobilcom plant ein ausgeglichenes Ergebnis
- Höheres Ergebnis im Geschäft als Service-Provider erwartet
- Kritik an Ex-Vorstandsvorsitzenden Schmid
Mobilcom hat seine Prognose bekräftigt, wonach er im Gesamtjahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis plant. Vorstandschef Thorsten Grenz sagte auf der Hauptversammlung: "Wir erwarten für das laufende Jahr, nach dem Erreichen eines positiven Ergebnisses im Konzern, auch ein Erreichen der Break-even-Schwelle im Kerngeschäft als Mobilfunk-Service-Provider."
Wegen der Expansion der Freenet AG gehe Mobilcom für die Folgequartale von einem geringeren Ergebnisbeitrag seiner Internettochter aus. Dies solle jedoch durch ein höheres Ergebnis im Geschäft als Service-Provider ausgeglichen werden, sagte Grenz.
Gewinn früher als erwartet
Die im vergangenen Jahr knapp der Insolvenz entgangene Mobilcom hatte in den ersten drei Monaten 2003 einen kleinen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 0,1 Mio. Euro erzielt und war damit früher als erwartet aus den roten Zahlen gekommen. Ursprünglich hatte Mobilcom die Rückkehr in die Gewinnzone im operativen Geschäft für das erste Halbjahr anvisiert. Allein im Schlussquartal 2002 war noch ein Betriebsverlust von 70,7 Mio. Euro angefallen. Im Gesamtjahr hatte sich der Konzernverlust vor allem wegen Kosten im Zusammenhang mit dem Rückzug aus dem gescheiterten UMTS-Engagements sogar auf 3,4 Mrd. Euro belaufen. Als Teil der Sanierung hat Mobilcom 2000 seiner einst 5.500 Arbeitsplätze abgebaut und drei von ehemals fünf Standorten geschlossen.
UMTS-Netz an E-Plus verkauft
Das bis dahin aufgebaute UMTS-Netz verkaufte Mobilcom vor Kurzem für 20 Mio. Euro an den Konkurrenten E-Plus, der dadurch dem Ziel einer 25-prozentigen Abdeckung der Bevölkerung bis zum Jahresende näher kommt. Ebenfalls verkauft hat Mobilcom seine Festnetzaktivitäten an Freenet, die dafür 35 Mio. Euro an die Muttergesellschaft überwies. Nach dem Ende des UMTS-Engagements konzentriert sich Mobilcom nun als Service-Provider auf den Wiederverkauf von Mobilfunkdienstleistungen anderer Anbieter.
Kritik an Schmid
Die Aktionäre haben bei der Hauptversammlung des Unternehmens hingegen ein Scherbengericht über den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid abgehalten. Die Aktionäre warfen Schmid in zahlreichen Redebeiträgen vor, er hintertreibe die Mobilcom-Sanierung durch Störmanöver und habe mehr als 70 Mio. Euro ohne Rechtsgrund aus dem Unternehmen entnommen. "Sie werden Ihrer gerechten Strafe nicht entgehen", schleuderte ein Kleinaktionär Schmid entgegen. "Sie sind hier nicht mehr erwünscht."
Verdacht der Untreue
Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schmid wegen des Verdachts der Untreue, weil er als Vorstandsvorsitzender ein umstrittenes Aktien-Optionsgeschäft mit der Firma Millenium seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram zu verantworten hatte. Schmid warf Vorstandschef Thorsten Grenz vor, er habe als damaliger Finanzvorstand von den Zahlungen gewusst und auch der Aufsichtsrat habe den Jahresabschluss gebilligt.
Falls dieses Geschäft tatsächlich rechtswidrig gewesen sein sollte, hätten die Gremien nicht zustimmen dürfen. Auch für den Erwerb der UMTS-Lizenz für mehr als acht Mrd. Euro trage Grenz Mitverantwortung. (apa/red)
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