Dienstag, 27. Mai 2003

Suizid-Foren werden immer beliebter

  • Selbstmordserie reißt nicht ab
  • Gemeinsam statt einsam sterben

Zu den umstrittensten Angeboten im Internet zählen auf der ganzen Welt Suizid-Foren. Vor allem in Japan sehen sich Experten mit einer Reihe von verabredeten Kollektiv-Selbstmorden konfrontiert. Denn in den Großstädten haben sich die "Methoden, wie junge Leute Beziehungen konstruieren" verändert - bis in den Tod.

"Suche Partner", hieß es im Bulletin-Board einer japanischen Suizid-Seite. Alleine sterben will hier keiner und man wird auf der Suche nach Gleichgesinnten schnell fündig. Nur zwei Wochen später wurde die Leiche des Forum-Users, eines Studenten, zusammen mit denen zweier anderer junger Männer in einem Auto gefunden, das diese in einem Waldgebiet geparkt hatten. Eine Obduktion der Todesursache ergab, dass sie sich mit Schlaftabletten betäubt hatten und dann durch Kohlemmonoxid vergifteten.

Gemeinsam sterben
Dieser Fall weist bereits zahlreiche Parallelen auf. Seit sich im Februar ein Mann und zwei Frauen in einem Appartement zum gemeinsamen Selbstmord verabredeten, zählte die japanische Polizei mindestens 14 Opfer. Immer öfters handelt es sich dabei um Paare oder Dreiergruppen, und häufig sind Gasvergiftungen im Spiel.

Hilfe oder Todesurteil?
Zu diesem Zeitpunkt hatten die populärsten japanischen Suizid-Foren schon ihre Angebote dicht gemacht. Diese findet man im Web immer öfters und ihre Existenz ist wild umstritten. Befürworter sehen in ihnen Betroffenen-Treffplätze, die gerade dabei helfen, nicht den Weg in den Freitod zu nehmen. Gegner entdecken in ihnen genau das Gegenteil - Recht haben wohl beide Seiten.

Auch in deutscher Sprache gibt es zahlreiche Foren, die vor allem Hilfestellung für Suizid-Gefährdete bieten. Aber es gibt auch andere, die nichts anderes tun, als "Rezepte" für den Freitod zu propagieren. In Deutschland hat es bereits Fälle von über das Web verabredeten Selbstmorden gegeben.

"Internet-Selbstmord"
Kürzlich ereignete sich ein weiterer Selbstmord in einem Appartement. Dabei wurden die Leichen eines 30-jährigen Mannes und zweier 18 und 20 Jahre junger Frauen gefunden. Wieder trat der Tod durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ein, die durch die Abgase eines in dem hermetisch abgedichteten Zimmer betriebenen Holzkohleofens herbeigeführt wurde. Wie in allen anderen Fällen gibt es keine offensichtliche Verbindung zwischen den Opfern und die Polizei geht von einem "Internet-Selbstmord" aus. Damit würde sich die Opferzahl auf mindestens 17 seit Januar erhöhen. Wahrscheinlich liegt sie aber darüber.

27.5.2003 17:06