Fernsehen über ADSL mit vielen Hürden
- Telekom Austria: "Deaktivieren Sie Ihre Firewall komplett"
Telekom Austria sieht sich neuerdings als "größter Kabelnetzbetreiber Österreichs", da sie 85 Prozent der Haushalte mit Fernsehen über ADSL versorgen könne. Die unter "Aon.tv" firmierenden Produkte werden ab 7. Juni ausschließlich Aonspeed-Kunden mit den dann ebenfalls erhältlichen höheren Bandbreiten (786 kbit Download) angeboten. Allerdings stellen sich dem Genuss einige technische Hürden in den Weg.
Aon.tv Start bietet für 7,90 Euro im Monat "Live-Einstieg in EurosportNews, fashionTV, MCM oder MTV live" und die Nutzung von 100 Videoclips beziehungsweise 200 Audioclips. Dabei kann nichts aufgezeichnet werden. Im "Plus"-Paket für monatlich 14,90 Euro stehen zusätzlich ein "XXL Erotik"-Kanal, doppelt so viele Clips sowie ein serverbasierter Digital Video Recorder zur Verfügung, auf dem bis zu zwei Stunden Content aufgezeichnet werden können. Jede weitere Stunde Speicherplatz kostet vier Euro. Auf die eigene Festplatte oder gar einen Laptop fürs Wochenendhaus oder einen digitalen Walkman können die Videos oder Songs nicht gespeichert werden. Zugriff auf den Server ist nur direkt über Aonspeed-Zugänge möglich.
Technischer Hürdenlauf
Technisch stellen sich potenziellen Aon.tv-Usern gleich mehrere Hürden in den Weg. In dem seit September 2002 laufenden Feldtest werden nur Windows-Betriebssysteme unterstützt, Telekom Austria will bald "alle gängigen Betriebssysteme" teilhaben lassen. Da aber neben Windows Media Player 7.01 oder 8.0 die Installation von DRM-Software (Digital Rights Management) von Microsoft zwingend erforderlich ist, dürfte die Unterstützung vieler gängiger Systeme schwierig bis unmöglich werden. Wer auf Datenschutz Wert legt, wird Aon.tv nicht nutzen können, da bei der Installation der DRM-Software eindeutige Daten zur Identifikation des jeweiligen Copmuters (Unique Hardware Identifier) an Microsoft übertragen werden. Von Telekom Austria und Microsoft wird diese Installation als "Security Update" bezeichnet.
Firewall deaktivieren
Außerdem ist das Aktivieren von Scripting im benötigten Internet Explorer 6 sowie das komplette Deaktivieren von Firewalls nötig. Eine Maßnahme, die Empfehlungen der österreichischen Bundesregierung widerspricht und der Sicherheitsexperten nur wenig abgewinnen können. Christian Mock vom Sicherheitsspezialisten CoreTec fand deutlich Worte: "Ich halte das für gefährliche Dummheit. Hier hat man offenbar eine falsche technische Lösung eingekauft, die Kunden werden einem Risiko ausgesetzt. Dabei sollten gerade Always-On-Kunden eine Firewall verwenden und besonders auf Sicherheit Wert legen. Das abzudrehen ist dumm und gefährlich." Auch das Aktivieren von Scripting kann Mock nicht empfehlen: "Damit fängt man sich potenziell allerlei Unbill ein, wie etwa Dialer. Dass Telekom Austria hier explizit unsichere Einstellungen ohne genauen Hinweis auf die damit verbundenen Risiken empfiehlt, ist verantwortungslos." (pte/red)
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