Dienstag, 27. Mai 2003

CL-Finale: AC Milan schlägt Juve im Elferkrimi 3:2

  • 0:0 nach 120 Minuten - Nervenflattern in Penalty-Entscheidung
  • PLUS: Pressestimmen zum Mailänder Triumph (Kasten rechts)

0:0 stand es nach 120 Minuten - und im entscheidenden Elferschießen lagen die Nerven auf beiden Seiten blank. Am Schluss jubelten die Rot-Schwarzen aus Mailand über den Sieg in der Champions League 2003. Der AC Milan hat sich am Mittwoch im Old Trafford-Stadion in Manchester zum sechsten Mal die wertvollste Trophäe im europäischen Klubfußball gesichert. Die Mannschaft von Carlo Ancelotti setzte sich gegen Juventus Turin im Elferschießen mit 3:2 durch, nachdem zuvor in 120 Minuten kein Tor gefallen war. Den entscheidenden Penalty verwandelte Schewtschenko, Keeper Dida wehrte drei Penalties von Juve ab.

Die Rossoneri traten die Nachfolge von Rekord-Gewinner Real Madrid an, der im Halbfinale an Juve gescheitert war. Die Mailänder spielten ganz in Weiß - wie auch bei den Triumphen 1989, 1990 und 1994. Coach Carlo Ancelotti, Freund von Herbert Prohaska und in Italien schon als "Ewiger Zweiter" abgestempelt, war der Rührung nahe. "Ich war ein Verlierer, aber jetzt denke ich nur noch ans Feiern. Diesen Sieg haben wir uns verdient", freute sich der 43-Jährige über seinen ersten Titel als sportlicher Milan-Boss.

Rekord für Seedorf
Ancelotti, dessen Schützlinge laut Presse 250.000 Euro pro Kopf als Siegesprämie kassieren, ist erst der Vierte nach Miguel Munoz, Giovanni Trapattoni und Johan Cruyff, der den Meistercup sowohl als Spieler als auch als Trainer in seinen Besitz brachte. Clarence Seedorf stellte einen anderen Rekord auf: Er ist der erste Spieler, der mit drei Vereinen (Ajax Amsterdam 1995, Real Madrid 1998) den Titel in der Königsklasse einheimste.

"Dida hypnotisiert Juve"
Bei allen Ovationen für Ancelotti und den auch "zum Spieler des Abends" gewählten Maldini wurde der eigentliche Matchwinner fast zur Randfigur. Torhüter Nelson de Jesus Silva, genannt Dida, parierte nach der Verlängerung die Elfer von Trezeguet, Zalayeta und Montero. "Dida hypnotisiert Juve", feierte "La Gazzetta dello Sport" den 29-jährigen brasilianischen Keeper. Als letzter Schütze trat Andrej Schewtschenko an und verwandelte den zehnten Elfmeter des Abends gegen den zuvor gegen Seedorf und Kaladse zwei Mal glänzend reagierenden Gianluigi Buffon eiskalt zum 3:2. "Meine Stärke war meine innere Ruhe", schilderte der Ukrainer die spielentscheidende Szene.

Nedveds Fehlen für Juve fatal
"Am liebsten möchte ich das Spiel nochmal spielen. Es ist alles schief gelaufen an diesem Abend. Das Spiel stand unter keinem guten Stern", lamentierte Juve-Trainer Marcello Lippi und machte die verletzungsbedingten Ausfälle von Tudor und Davids für das schwache Auftreten verantwortlich. Doch das eigentliche Problem für den 55-Jährigen war, dass er keinen gleichwertigen Ersatz für den gesperrten tschechischen Antreiber Nedved hatte. "Wir hatten nicht genug Benzin im Tank", meinte Lippi in Bezug auf den fehlenden "Tankwart".

(apa/red)

27.5.2003 10:45