Sonntag, 1. Juni 2003

Irakkrieg: Ex-Ministerin wirft Blair Betrug vor

  • 63% der Briten sind sicher: Blair hat sie belogen
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Die angeblichen Massenvernichtungswaffen waren für die USA und Großbritannien der deklarierte Haupt-Kriegsgrund. Rund vier Wochen nach dem Kriegsende fehlt von diesen ABC-Waffen weiterhin jede Spur. Die zurückgetretene britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short hat nun Premierminister Tony Blair beschuldigt, die Öffentlichkeit hinsichtlich der Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen "betrogen" zu haben. Zum "Sunday Telegraph" sagte die Labour-Politikerin und Abgeordnete, Blair habe die Informationen der britischen Geheimdienste über das irakische Waffenarsenal "mit eigener PR angereichert".

Die Behauptung, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein binnen 45 Minuten einen Angriff mit chemischen und biologischen Waffen starten könne, sei nicht von den Nachrichtendiensten gekommen, sondern "reine PR aus Blairs Büro" gewesen, sagte die Ex-Ministerin. Blair habe ein "Gefühl der Dringlichkeit" erzeugen wollen. "Das war eine politische Entscheidung, die vom Premierminister kam", so die Unterhausabgeordnete Short.

63% der Briten sind sicher: Blair hat sie belogen
"Wir sind getäuscht worden", kritisierte sie, "ich glaube, wir sind betrogen worden." Anders als Blair immer beteuert hätte, sei die Entscheidung für den Krieg schon Mitte vergangenen Jahres gefallen: "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Premierminister irgendwann im August entschieden hat, in den Krieg zu ziehen, und er hat uns seitdem die ganze Zeit über betrogen." Nach einer am Samstag veröffentlichten Umfrage sind 63 Prozent der britischen Wähler der Meinung, dass Blair die Nation bezüglich der irakischen Massenvernichtungswaffen in die Irre geführt hat. Downing Street wies die Vorwürfe der Ex-Ministerin zurück. Niemand sei betrogen worden, versicherte eine Sprecherin des Regierungschefs am Samstagabend in London.

(apa/ red)

1.6.2003 11:09