Donnerstag, 29. Mai 2003

Zusammenstöße und Ausnahmezustand in Peru

  • Straßenschlacht zwischen Polizei und 5.000 Streikenden

In den ersten Stunden nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in Peru haben sich die Unruhen in dem verarmten Andenstaat vorerst weiter verschärft. Bei Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei wurden am Mittwoch nach offiziellen Angaben 40 Menschen verletzt, fast 100 Demonstranten wurden festgenommen.

Präsident Alejandro Toledo hatte den Ausnahmezustand am Dienstagabend (Ortszeit) für zunächst 30 Tage verhängt, um einer seit Wochen anhaltenden Streikwelle ein Ende zu setzen. Die Gewerkschaften forderten den unpopulären Staatschef jedoch heraus und kündigten die Fortsetzung ihres gerade erst für illegal erklärten Streiks an.

Straßenschlacht zwischen Polizei und 5.000 Streikenden
Zu den schwersten Auseinandersetzungen kam es in der Stadt Chiclayo im Norden des Landes. Dort lieferte sich die Polizei "Straßenschlachten" mit etwa 5.000 streikenden Lehrern. In anderen Städten feuerten Soldaten nach Medienberichten mit scharfer Munition in die Luft, um Plünderer zu vertreiben.

Bei der Räumung eines von Bauern und Demonstranten blockierten Autobahnabschnitts 160 Kilometer nordwestlich von Lima kam es zu schweren Zusammenstößen mit Soldaten und Polizisten. Auch an anderen Abschnitten der Autobahn widersetzten sich Regierungsgegner der Räumung von Blockaden. In der Andenstadt Jauja griffen rund 2.000 Bauern eine Einheit von 30 Polizisten mit Steinen an.

Der Ausnahmezustand ermächtigt Polizei und Streitkräfte, gewaltsam gegen Streikende vorzugehen. Die Proteste gingen von den Bauern aus, die gegen Billigimporte und gegen die Zerstörung von Koka-Feldern protestierten. Ihnen schlossen sich die Lehrer an, die seit dem 12. Mai für mehr Gehalt streiken. Das Monatsgehalt der Lehrer liegt bei etwa 160 Euro. Am Dienstag legten auch die Beschäftigten im staatlichen Gesundheitswesen die Arbeit nieder.

(apa)

29.5.2003 14:23