Donnerstag, 29. Mai 2003

Giscard d'Estaing erhält Karlspreis in Aachen

Der Präsident des Europäischen Konvents und frühere französische Staatspräsident Valery Giscard d'Estaing ist am Donnerstag in Aachen mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet worden. Giscard d'Estaing nahm die Verleihungsurkunde aus der Hand des Aachener Oberbürgermeisters Jürgen Linden (SPD) im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegen.

Giscard appellierte in seiner Rede an den guten Willen von Politik und EU-Staaten. Das schwierige Unterfangen einer europäischen Verfassung könne nur mit der Hilfe Aller gelingen, sagte er bei der Entgegennahme des Preises.

Der neue Preisträger unterstrich in seiner Rede, der EU-Konvent habe die Aufgabe, "einen soliden und beständigen Verfassungsrahmen für 450 Millionen Europäer in demnächst 25 Mitgliedsstaaten zu schaffen". "Ich denke, die Arbeit der letzten 15 Monate hat gezeigt, dass dies zwar ein schwieriges, aber keineswegs unmögliches Unterfangen ist." Es wäre ein "Unglück für Europa, wenn es uneins bliebe". Das gemeinsame Schicksal Europas ruhe allerdings auf den Schultern der "politisch Verantwortlichen". Deren Engagement müsse "noch stärker werden", mahnte Giscard.

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau hatte in seiner Laudation Giscard als visionären Europäer gewürdigt. Rau rief den Verfassungskonvent zur Einigung auf. Eine europäische Verfassung müsse mehr Transparenz schaffen und die Demokratie in Europa stärken.

Der Aachener Karlspreis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas. Er wird seit 1950 an Menschen oder Institutionen verliehen, die sich in einflussreichen Positionen um die Einigung Europas verdient gemacht haben. (apa)

29.5.2003 13:06