Montag, 26. Mai 2003

Rechtsextreme gestehen brutalen Brandenburger Mord

  • Grund für Attacke: Opfer trug Hip-Hop-Hose und blonde Haare

Zum Auftakt eines Prozesses um den grausamen Mord an einem 16-jährigen Schüler im deutschen Bundesland Brandenburg haben die drei Angeklagten aus der rechtsextremen Szene die Tat gestanden. Das Verfahren begann am Montag vor dem Landgericht Neuruppin unter zeitweiligem Aussschluss der Öffentlichkeit.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem zur Tatzeit 17 und 23 Jahre alten Brüderpaar sowie einem damals 17-jährigen Gesinnungsgenossen vor, ihr Opfer im Juli 2002 in Potzlow im Landkreis Uckermark brutal misshandelt und ermordet zu haben, um die schweren Folterungen zu vertuschen. Die drei hätten aus rechtsextremistisch motivierter Menschenverachtung gehandelt.

24-Jährigen droht lebenslange Haft
Die Anklage lautet auf Nötigung, gefährliche Körperverletzung, versuchten Mord sowie Mord. Der heute 24-Jährige verbüßt bereits eine Haftstrafe wegen eines rechtsextremen Überfalls auf einen Afrikaner. Ihm droht lebenslange Haft. Für die beiden zur Tatzeit Jugendlichen sieht das Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft als Höchstsrafe vor.

Hip-Hop-Hose und blonde Haare
Der Anklage zufolge hatte das aus Potzlow stammende Brüderpaar sowie ihr Gesinnungsgenosse aus Templin dem Opfer wegen seiner weiten "Hip-Hop"-Hose und seiner blond gefärbten Haaren zunächst mit Gewalt Alkohol eingeflößt. Der 16-Jährige wurde zu der Behauptung gezwungen, ein Jude zu sein.

Das Opfer musste in einer stillgelegten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft unter anderem in einen steinernen Schweinetrog beißen. Das Gesicht des Schülers wurde mit Faustschlägen misshandelt. Schließlich sei der Jüngere des Brüderpaars mit seinen Springerstiefeln auf den Kopf des 16-Jährigen gesprungen. Nachdem die Angeklagten zu der Überzeugung gelangt seien, ihr entstelltes Opfer in diesem Zustand nicht mehr zum Arzt bringen zu können, hätten sie es mit einem Betonblock erschlagen und in einer Jauchegrube verscharrt, so die Staatsanwältin.

Das Skelett des Schülers wurden im November 2002 von Kindern gefunden, nachdem einer der Angeklagten mit der Tat geprahlt hatte. (apa)

26.5.2003 17:22