Samstag, 31. Mai 2003

Jugendliche trinken immer exzessiver

  • Bereits 15- bis 16-Jährige "Kampftrinker"

Härtebeweis, Gruppendruck oder einfach nur Langeweile? Die Jugend von heute findet jedenfalls immer mehr Gefallen daran, sich dem Suff hinzugeben. Und nicht nur das: ganz allgemein greifen Jugendliche immer früher zum Suchtmittel. Alkohol, Drogen und Nikotin-Exzesse sind an der Tagesordnung. Das so genannte "Rauschtrinken" gerät zunehmend zum Gruppenphänomen, teilweise bedenkliche Praktiken, so etwa der Einsatz gefährlicher Bier-Bongs, verhilft den "Kampfsäufern" zu schnellen Abstürzen; Unfälle und Alkoholvergiftungen bleiben naturgemäß nicht aus.

Schon 15- bis 16-Jährige träfen sich an Wochenenden zu regelrechtem "Kampftrinken". "Der exzessive Konsum ist gesundheitlich noch viel gefährlicher als der kontinuierliche Konsum", sagte der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Jobst Böning, am Rande eines dreitägigen Wissenschaftlichen Symposiums der DHS bei München.

Immer mehr Teens rauchen
Zugleich steige die Zahl der jugendlichen Raucher. Auch immer mehr Kinder greifen nach Bönings Worten zum Glimmstängel. Der Anteil der Zwölf- bis 15-Jährigen unter den Rauchern habe sich in den vergangenen zehn Jahren von etwa zehn auf 20 Prozent verdoppelt. Ein Grund dafür sei auch, dass Jugendliche schneller erwachsen würden als früher. "Sie identifizieren sich insgesamt viel früher mit der Erwachsenenwelt."

Die allgemeine Entwicklung zu einem extremen Lebensstil mit immer mehr "Kicks" und immer größerem Erfolg zeige sich auch in dem Zunehmen von Extremsportarten. "Wir sollen überall außergewöhnlich sein, wir müssen überall Spitze sein", fasste der Leiter der Klinischen Suchtmedizin an der Universitäts-Klinik Würzburg einen allgemeinen Trend in der Gesellschaft zusammen.

Zum Schutz der Jugendlichen müssten die Rahmenbedingungen geändert werden. So müsse der Zugang zu Alkohol und Zigaretten erschwert werden. Außerdem forderte Böning die Einrichtung eines Faches "Gesundheitserziehung" an den Schulen. "Diese Prävention muss spätestens im Alter von acht bis zehn Jahren beginnen."

(apa)

31.5.2003 11:13