Mittwoch, 28. Mai 2003

Haider bittet Sozialpartner-Präsidenten zum Gespräch

  • Treffen sollte noch vor den geplanten Streiks stattfinden
  • Haupt in NEWS über seinen größten Traum: Haider als Kanzler

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider will alles versuchen, um in Sachen Pensionsreform doch noch eine Einigung zu Stande zu bringen. Er werde deshalb die Präsidenten der Sozialpartner einladen, mit ihm an einem Tisch die strittigen Punkte zu erörtern, sagte Haider am Mittwoch in Klagenfurt. Das Treffen sollte noch vor den für kommenden Dienstag geplanten Streiks stattfinden. Außerdem erklärte er, dass die FPÖ bei einem Scheitern der Pensionsreform die Bundesregierung von sich aus nicht verlassen würde.

"Der Rückzug der Sozialpartner vom Runden Tisch war ein großer Fehler", stellte Haider vor Journalisten fest. In den vorangegangenen Gesprächsrunden sei Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nämlich "gezwungen" gewesen, gegenüber seinem ursprünglichen Pensionspaket erhebliche Abstriche zu machen. Er wolle deshalb jetzt einen Beitrag leisten, "um der Vernunft Vorrang einzuräumen", sagte der Landeshauptmann.

Haider: "Ich glaube, dass auch bei den Sozialpartnern überwiegend der Wille zu einer Einigung vorhanden ist." Auch wisse jeder, dass Streiks "außer volkswirtschaftlichem Schaden und einem schlechten Klima im Grunde nichts verändern".

Auch Haupt darf dabei sein
Das Treffen mit den Spitzen der Sozialpartner könnte an jedem beliebigen Ort stattfinden, "entweder beim AK-Präsidenten Tumpel oder beim Wirtschaftskammer-Präsidenten Leitl oder auch in Kärnten". Auf die Frage, ob auch FPÖ-Bundesobmann Vizekanzler Herbert Haupt daran teilnehmen sollte, sagte Haider: "Wenn Haupt will, ist er selbstverständlich dabei." Falls aber Haupt selbst eine neuerliche Gesprächsrunde mit den Sozialpartnern zu Stande bringen sollte, werde er, Haider, auch dabei sein: "Haupt kommt zu mir, ich komme zu Haupt."

"Die jetzige Situation ist noch nicht befriedigend", sagte Haider generell zur Pensionsreform. Er appelliere deshalb an alle Verantwortungsträger, die Gespräche "unbedingt fortzusetzen". Haider: "Wenn man ernsthaft will, ist eine Lösung vor dem Sommer möglich."

FPÖ würde Regierung nicht verlassen
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider erklärte weiters, dass die FPÖ im Falle eines Scheiterns der Pensionsreform die Bundesregierung von sich aus nicht verlassen würde. "Die ÖVP muss dann sagen, ob sie die Koalition weiter will", stellte Haider fest. Falls die ÖVP die Koalition wegen eines Nichtzustandekommens der Pensionsreform aber scheitern lassen sollte, müsste sie das der Bevölkerung erklären. Die FPÖ wolle jedenfalls "eine Reform für die kleinen Leute", betonte Haider vor Journalisten in Klagenfurt.

Der Landeshauptmann bekräftigte gleichzeitig, dass es keine parlamentarische Zustimmung der FPÖ zur Reform geben werde, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden. So müsse noch vor einem Beschluss über die Reform eine Regelung hinsichtlich der Politikerpensionen sowie der Privilegien im Sozialversicherungsbereich auf dem Tisch liegen. Ebenso müsste vor einer Beschlussfassung der Pensionsreform im Nationalrat ein "Vertrag am Runden Tisch" über die Harmonisierung der Pensionssysteme geschlossen werden. (apa, red)

28.5.2003 11:39